Erfahrungsbericht: Miriam Ebbinghaus

Ich bin Miriam und habe bisher in Münster Ev. Theologie auf Pfarramt studiert. Nach meiner Zwischenprüfung im Oktober 2017 habe ich mich für das Studienjahr beworben und nehme nun am 45. Theologischen Studienjahr teil.
Bei der Bewerbung für das Studienjahr habe ich mir besonders viel Zeit für das persönliche Motivationsschreiben genommen. Dabei war es mir wichtig, authentisch zu bleiben und von mir zu erzählen. Der Form sind dabei fast keine Grenzen gesetzt. Die Zeit danach war verbunden mit viel Hoffen und Bangen – als dann Anfang Februar die Einladung zum Auswahlgespräch kam, war die Freude natürlich umso größer. Ich hatte ab diesem Zeitpunkt noch etwa drei Monate Zeit für die Vorbereitung auf das Gespräch. Die Tage waren meist gefüllt mit Lernen, aber die Zeit reichte problemlos aus. Besonders geholfen haben mir Gespräche mit ehemaligen Studienjährler*innen und Professor*innen zu Anfang meiner Vorbereitung.

Danach habe ich selbst überlegt, worauf ich den Fokus legen muss. So habe ich beispielsweise in AT, NT und biblischer Archäologie nur noch wenig gelernt, da ich durch das Lernen für meine Zwischenprüfung und durch eine vom AT in Münster organisierte Exkursion nach Israel zu den meisten Themen schon etwas gelesen hatte. Ich musste da also mein Wissen in diesen Bereichen lediglich ergänzen.

Anders war es z. B. beim Themenkomplex Ostkirchenkunde, in dem meine Vorkenntnisse sehr begrenzt waren. Ich habe versucht, erst ein Grundverständnis für die Geschichte der Ostkirchen zu entwickeln und dann einiges zu den größeren Ostkirchen und zu jenen, die in Jerusalem vertreten sind, gelesen. Ich fand die Internetseite pro-oriente.de durch die übersichtliche Gliederung dafür sehr hilfreich.

Mit den Bereichen Judaistik, Islamwissenschaft, ökumenischer Theologie und der neueren Geschichte des Nahen Ostens hatte ich mich schon im Studium oder aus privatem Interesse etwas beschäftigt, musste mein Wissen also nur noch vertiefen und systematisieren. Dafür habe ich jeweils ein Buch aus der Literaturliste auf der Homepage gelesen. Besonders gut verständlich für mich waren der kleine Band Das Judentum von Michael Tilly und Streit um das Heilige Land von Dieter Vieweger. Bei der Geschichte des Nahen Ostens fand ich es sinnvoll, direkt auf englisch zu lernen, weil in der Prüfung das Gespräch hierzu englisch geführt wird.

Hilfreich war es auch, jeden Tag einige Verse in Hebräisch und Griechisch zu übersetzen und sich am Ende der Vorbereitungszeit mit Freunden oder Familienangehörigen über die Themen zu unterhalten, um gewisse Dinge formulieren zu können. Bei der Auswahlprüfung wurde natürlich nur ein Bruchteil des Gelernten abgefragt. Außerdem waren nicht alle Fragen konkret auf das bezogen, was ich gelernt hatte. Dadurch, dass ich mich aber so intensiv auf das Gespräch vorbereitet habe, konnte ich zu fast allen Fragen etwas sagen. Die Situation in Bonn war erst einmal befremdlich, weil mir so viele Menschen gegenüber saßen. es war aber schnell nicht mehr unangenehm und auch kein Problem, etwas nicht zu wissen. Nach der Prüfung konnte ich überhaupt nicht einschätzen, wie die Prüfung gelaufen ist. Das war bei fast allen, mit denen ich über die Auswahlprüfung gesprochen habe, ähnlich – also habe ich die Sorgen schnell vergessen.

Letztendlich hat es geklappt und ich freue mich auf mein Studienjahr.