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Zukunftsweisend und kontrovers – Die Zukunftswerkstatt „Studienjahr“

Vom 11. bis 13. Oktober 2013 zerbrachen sich Studienjährler/innen aus allen Generationen – das 1. Studienjahr war genauso vertreten wie das 39. – den Kopf über das Studienjahr als solches. Unter dem Titel „Unvergesslich – unverbesserlich?!“ wurde im Rahmen der Zukunftswerkstatt „Studienjahr“ nach „Impulsen aus und für Jerusalem“ gesucht. Mit dieser Veranstaltung wurde der Reigen der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 40. Geburtstag des Studienjahres eröffnet. Finanziell unterstützt wurde die Tagung mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (dem DAAD gilt ein herzlicher Dank) und des Forum Studienjahr Jerusalem e.V.

Der Blick zurück: 40 Jahre Studienjahr

Zum Einstieg nahm Kristina Hellwig (StJ 1994/95, Redaktionsleiterin der Bergischen Morgenpost/Rheinischen Post in Remscheid) die Gruppe mit auf eine Erkundungstour durch 40 Jahre Studienjahr: „Das Studienjahr im Wandel der Zeit – Menschen, Themen, Zahlen“. Dabei begegneten die Teilnehmenden nicht nur den ersten Frauen auf Gruppenfotos und hörten so manche Anekdote, sondern sie tauchten auch intensiv in die Geschichte des Studienprogrammes ein. So wurde in einem ersten Einblick deutlich, welche Konstanten, aber auch welche grundlegenden Veränderungen zu verzeichnen sind.

Impulssuche: Spuren des Studienjahres im eigenen Leben

Der erste Akt der Zukunftswerkstatt lenkte den Blick auf das eigene Leben und die Spuren, die das Studienjahr darin hinterlassen hat. Dass die neun Monate in Jerusalem eine prägende Zeit in der eigenen vita darstellen, dürfte wohl von kaum einem/r Ehemaligen bestritten werden, doch welche Impulse sind konkret auszumachen? Um sich dieser Frage anzunähern, haben vier Ehemalige aus unterschiedlichen beruflichen Feldern exemplarisch ihr eigenes Leben daraufhin befragt und anregende und je völlig unterschiedlich akzentuierte Kurzimpulse gegeben.

An diese vielfältigen Impulse schloss sich, dem Charakter eines Kolloquiums entsprechend, eine erste Gruppenphase an, in der die Teilnehmenden in Kleingruppen auf eine Spurensuche im eigenen Leben gingen. Es war spannend, im Gespräch herauszufinden, was generationenübergreifend als prägend ausgemacht wurde und wo die je persönlichen „Früchte“ zu entdecken waren. Jede Gruppe musste sich abschließend auf drei „Argumente“ auf die Frage „Warum (heute) Studienjahr?“ einigen. Dabei wurden der ökumenische Charakter („die Zukunft der Kirche ist ökumenisch“, „gelebte Ökumene“) sowie die Einzigartigkeit des Programms mehrfach hervorgehoben und auch die Lebenstauglichkeit, die grenzüberschreitende Weite und die Multiperspektivität der in Jerusalem gelehrten und gelebten Theologie betont. Im Plenum herrschte Einigkeit: Das Studienjahr soll weitergehen.

Der Blick nach vorn: Das Studienjahr der Zukunft

Derart angeregt, stellten die Teilnehmenden anschließend die Studienjahres-Bausteine kritisch auf den Prüfstand und entwickelten Visionen für ein Studienjahr der Zukunft. Zunächst wurden mittels eines (stummen) Schreibgesprächs die für die Gruppe wesentlichen Aspekte zu den einzelnen Studienjahres-Bausteinen erarbeitet. Bereits im Schreibgespräch zeichneten sich kontroverse Diskussionen wie auch deutliche Schwerpunktsetzungen in einzelnen Bereichen ab; für die anschließende Weiterarbeit in Kleingruppen wurden daher einige Bausteine zusammengefasst. In den Gruppen zu den einzelnen Themen wurden dann, unterbrochen von der Mitgliederversammlung des Forums am Samstag Abend, die jeweiligen Plakate gesichtet, thematisch auf die Hauptpunkte konzentriert und für das jeweilige Themenfeld drei Hauptthesen formuliert, die im Abschlussplenum präsentiert und diskutiert wurden.

Diese Thesen wurden im Plenum vorgestellt. Die Diskussion konzentrierte sich anschließend auf einzelne Aspekte, wobei besonders die formale Frage nach einem „Studienjahres-Master“ leidenschaftliche Befürworter und ebenso entschiedene Gegner fand. Demgegenüber gerieten z. B. die Idee, einen „wissenschaftlichen Beirat“ für die Gestaltung des Studienprogramms einzurichten, oder die ökumenischen Anregungen eher in den Hintergrund. Insgesamt kristallisierte sich in der Abschlussdiskussion heraus: Die Herausforderungen für die Zukunft des Studienjahres liegen einerseits im formalen Bereich (Anerkennung von Prüfungsleistungen; Zulassungsvoraussetzungen; Struktur eines etwaigen einjährigen Masterprogramms), andererseits im inhaltlichen Bereich: Wie können die Bereiche „Islam“ und „Interreligiosität“ ausgebaut werden? Welchen Stellenwert besitzt die „gelebte Ökumene“? Wie ist es um den archäologisch-exegetischen Schwerpunkt bestellt? Wie gelingt es, in der Vielfalt des Studienjahres ein spezifisches „Profil“ erkennbar werden zu lassen?

Dabei ließ sich in der Diskussion fast eine Art „Generationenkonflikt“ beobachten, sowohl was die Haltung zu gegenwärtigen universitären Strukturen und Bedingungen und ihren Konsequenzen für das Studienjahr angeht als auch hinsichtlich der „Profildiskussion“. Ganz offensichtlich lieben die meisten das Studienjahr doch so, wie sie es selbst erlebt haben. Da dies die einem Ehemaligenverein wohl sui generis eigenen nostalgischen Tendenzen verstärkt und möglicherweise die Visions- und Handlungsfähigkeit einschränkt, könnte es für den Gestaltungsprozess der Zukunft des Studienjahres hilfreich sein, sowohl potenzielle wie aktuelle Interessenten als auch die nicht so vom Studienjahr „infizierten“ Ehemaligen einzubinden und ihre Einschätzungen und Vorschläge zu erfragen.

So wurde insgesamt in der Zukunftswerkstatt deutlich, wo die Herausforderungen, Probleme, Gefahren, aber auch Chancen für die Zukunft des Studienjahres liegen. Dass die kontroverse Diskussion über die einzelnen inhaltlichen Bausteine offen endete und sich kein einheitliches Votum des Plenums ergab, liegt in der Natur der Sache begründet. So ist für die Zukunft und Zukunftsfähigkeit des Studienjahres in Goslar eine inspirierende Basis gelegt worden, auf der aufgebaut und von der aus weitergedacht werden kann – im Blick auf die Jubiläumsfeierlichkeiten 2014 wie (hoffentlich) auch 2024, wenn das Studienjahr 50 wird!

Christian Schramm/Martin Wenzel