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Teil 1: Wadi Rum

So brachen wir am nächsten Morgen um 6:00 Uhr geistig und weltlich bestens ausgerüstet mit dem Bus Richtung Eilat auf, um schließlich gegen 12:00 Uhr die israelisch-jordanische Grenze zu überqueren. Bei einem kurzen Zwischenstop in der Nähe von Ein Gedi lasen wir dann noch ungeplanter Weise eine israelische Soldatin auf, die nach Eilat in den Urlaub trampte. Ganz im Sinne des interkulturellen Austauschs wurden dann direkt auch Themen des jeweiligen „way of life“ besprochen und nach und nach auf den interreligiösen Dialog zugespitzt. Dabei kam ein ganz spannendes Bild vom Christentum auf, das sich am besten mit einem Zitat fassen lässt: „Kann ich mal deinen Bußgürtel sehen? Ihr tragt das doch alle, um gute Christen zu sein, oder?“ Damit diese Aussage (die wohl eher als Einzelmeinung zu werten ist, auch wenn die Soldatin erklärte, sie habe das so in der Schule gelernt) ihre volle Wirkung entfalten kann, lasse ich sie unkommentiert stehen und berichte weiter.

Am Grenzübergang trafen wir unseren jordanischen Guide Ahmed, der uns während der kommenden zehn Tage begleiten sollte. Nachdem alle erfolgreich die Grenze passiert hatten, ging es dann zu unserem ersten Ziel, dem Wadi Rum, das wir nach einem kurzen Stop in Aqaba, wo wir die benötigten Lebensmittel einkauften, auch gegen 16:00 Uhr erreichten.

Zuerst packten wir in Rum Village, dem Beduinenlager, das uns die nächsten Tage vorzüglich bewirten sollte, unsere Rucksäcke um, denn in der Wüste brauchten wir nicht alles Mitgebrachte. Im Anschluss an eine kleine Teepause bestiegen wir in Vierergruppen die Jeeps, die uns zu unserem Nachtlager in der Wüste brachten. Der Lagerplatz lag geschützt von mehreren Felsen umgeben und wurde zu einer Art Basislager, in dem wir unsere Mahlzeiten zu uns nahmen und von wo aus wir zu unseren Tagesetappen aufbrachen. Nach einer kurzen Einführung in die Umgebung und der Wahl des bevorzugten Schlafplatzes brachen wir in kleineren Gruppen zu einer eigenen Erkundungstour auf, begannen damit, die uns umgebenden Berge zu besteigen und vereinten uns dann zu einem traditionell beduinischen Abendessen wieder.

Das vorab in Jerusalem beobachtete Phänomen des äußerst raschen Dunkelwerdens nach Sonnenuntergang wirkte in der Wüste noch beeindruckender, da dort fas keine Lichtquellen vorhanden sind und auch der nun erscheinende Sternenhimmel war jenseits allem, das man aus Deutschland kannte. Schlagartig erschloss sich jedem die Tiefe der Ehrfurcht vor der Schöpfung, wie sie in Ps 8,4f. vorherrscht. Durch die enorme Anzahl an Sternen fiel es auch geübten „Sternenguckern“ schwer, spontan bekannte Sternbilder auszumachen. Nach einer durchaus anstrengenden Busfahrt, voll dieser neuen Eindrücke und der gespannten Erwartung der Erlebnisse der kommenden Tage, legten wir uns gefühlt viel zu spät (tatsächlich war es spätestens 22:00 Uhr) schlafen. Mitten in der Nacht wurden allerdings nicht wenige aus dem Schlaf gerissen und befürchteten, komplett verschlafen zu haben. Der Grund dafür war, dass der Mond aufgegangen war und die Wüste taghell erleuchtete. Dementsprechend konnte die Nachtruhe nach einem Blick auf die Uhr und einem erleichterten Seufzen fortgesetzt werden.

Am nächsten morgen mussten wir spätestens um 7:00 Uhr aufstehen, zügig unsere Sachen zusammenzupacken und zum (für Wüstenverhältnisse durchaus üppigen) Frühstück antreten. Nach dieser Stärkung und einer kurzen Morgenandacht brachen wir dann zu unserer ersten geführten Wüstenwanderung auf und erhielten zahlreiche Erläuterungen zu den vorherrschenden Gesteinssorten, sowie der vorkommenden Flora und Fauna. Wir bekamen einige Zisternen aus der Nabatäerzeit zu Gesicht und konnten ein erstes Gespür für das Leben von Beduinen bekommen. Gegen 13:00 Uhr erreichten wir wieder unser Lager und nahmen das von Beduinen gekochte und angelieferte Mittagessen zu uns. Diejenigen, die sich noch nicht ausgelastet fühlten, nutzten die Mittagspause, um die noch nicht erkundeten „Berge“ zu erklimmen und am fortgeschrittenen Nachmittag brachen dann alle wieder auf zur nächsten, kurzen Wanderung, im Rahmen derer wir die Schauplätze des Filmes „Lawrance von Arabien“ besichtigten und Ahmed uns ein historisch korrekteres Bild des Filmhelden Lawrance vermittelte. Das Abendessen bildete den Abschluss des Tages und ging über in einen gemütlichen Lagerfeuerabend mit dafür typischer Musik und viel Raum für Gespräche untereinander und mit den Beduinen.

Nach einer weiteren Nacht unter freiem Himmel stand der Wüstentag an. An diesem Tag sollte es darum gehen, einerseits einen Einblick in das Leben der Wüstenväter zu bekommen und andererseits sich in der Stille persönlich zu besinnen. Dadurch konnte man eine ungekannt intensive Zeit mit Gott verbringen. Der Tag war geprägt von Schweigen. Da sich jeder alleine an einen ihm geeignet erscheinenden Ort zurückzog, war Konversation ohnehin nicht möglich, aber auch bei dem gemeinsamen Mittagessen wurde geschwiegen. Abgeschlossen wurde der Tag mit einem Gottesdienst, bei dem erstmalig das Schweigen wieder gebrochen wurde. Auf diese Weise erfuhr jeder die Faszination der Wüste als kontemplativen Rückzugsort, wie die Wüste auch schon von vielen Menschen vor uns erlebt wurde, von den Wüstenvätern bis hin zu dem Gründungsvater des Studienjahres Laurentius Klein. Im Anschluss an das Abendessen konnte jeder Teilnehmer freiwillig seine Erlebnisse in der Gruppe unter Leitung von Pater Matthias austauschen. Unseren letzten Abend in Wadi Rum verbrachten wird dann damit, tiefer in die aktuelle Kultur der Beduinen einzutauchen, indem wir verschiedene Tänze und ihre Musik kennenlernten.