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Teil 2: Wadi Al-Hisa

Am nächsten Morgen wurde dann alles Mitgebrachte wieder eingepackt und nach Frühstück und Morgenandacht brachten uns die Jeeps wieder zurück zum Rum Village. Dort konnten wir unsere Rucksäcke erneut umpacken, diesmal mit der Wasserausrüstung, sowie den Lebensmitteln für die nächsten drei Tage, da wir uns im Wadi Al-Hisanun selbst versorgen mussten. Mit leicht verkleinerter Gruppe (Salome und Pierre konnten uns leider nicht begleiten) fuhren wir mit dem Bus zu unserer Einstiegsstelle ins Wadi, die wir am frühen Nachmittag erreichten. Die Ankündigung „wir werden 90% der Zeit durchs Wasser laufen“ kam uns angesichts der Tatsache, dass wir ca. eine Stunde durch typisch jordanische Wüstenlandschaft ins Wadi abstiegen, äußerst komisch vor, doch wurden wir bald eines Besseren belehrt. Als wir an der Talsohle ankamen, machten wir uns die Füße zum ersten Mal nass, ein Zustand, der wirklich die nächsten Tage anhalten sollte. Unser erstes Nachtlager erreichten wir nach einer halbstündigen Wanderung durch das Flussbett, an einem Wasserfall gelegen. Damit wir unser Abendessen auch zubereiten konnten, mussten wir zunächst Feuerholz sammeln und das Lagerfeuer anschüren. Als alles erledigt war, blieb aber selbstverständlich noch genügend Zeit, ein ausgiebiges Bad an dem Wasserfall zu nehmen und, nachdem die Schlafplätze „sauber gekehrt“ waren, die Schlafstätten herzurichten. Da man als westlich sozialisierter Mensch nicht viel mit sich anzufangen weiß, wenn das Licht weg ist, dauerte die Abendessen- und Lagerfeuerrunde auch nicht allzu lange und es war wieder Zeit sich nach diesem langen Tag müde schlafen zu legen.

Der nächste Tag begann wie jeder andere, aufstehen, zusammenpacken, frühstücken, Morgengebet und dann ging es auch schon los, ein weiterer Tag Wandern im Wasser. Trotz der vernünftigen und mahnenden Worte unserer Guides waren die Wege abseits der Route stets interessanter. So bildeten sich Teams heraus, deren Ziel es war, keine Stromschnelle, kein Wasserfällchen und keinen Balanceakt auf glitschigen Steinen auszulassen. Kurzzeitig verfielen einige wenige sogar der Vorstellung eine Sportart mit dem Arbeitstitel „extreme waterwalking“ zu etablieren und im besten Fall olympisch zu machen. Insgesamt gab es an diesem Tag eine wunderschöne Gegend zu bestaunen, in der das viele Grün und Wasser in starkem Gegensatz zu der Sandwüste des Wadi Rum standen. Eine der unzähligen eisenhaltigen heißen Quellen, die an ihrer Rotfärbung eindeutig zu identifizieren waren, lud dann in der Mittagspause zu einem Badewannenerlebnis in freier Natur ein, wurde aber durch die Bemerkung „in Island wirken heiße Quellen irgendwie faszinierender als in der Wüste“ leider sehr schnell in ihrer Faszination geschmälert. Während der nachmittäglichen Wanderung zeichnete sich schnell ab, dass wir wahrscheinlich nur den ersten der drei potentiellen Lagerplätze erreichen können, was zu einer Verschärfung des Abseitswanderverbotes führte. In weiser Voraussicht begannen wir also gegen Ende der Tagesetappe das Feuerholz schon während des Laufens zu sammeln und erreichten so auch mit dem Sonnenuntergang unseren Schlafplatz.

Der dritte und letzte Tag der Wanderung im Wadi Al-Hisa hatte seinen ganz eigenen Charme. Die Tour startete mit den Worten des Guides „if they‘re too slow, they have to fight“ und in der Tat hatten an diesem Tag nicht wenige mit den Folgen von Erschöpfung, kleineren Verletzungen und emotionaler Angespanntheit zu kämpfen. Die Landschaft entschädigte aber völlig für alle Anstrengung, von Wasser über Sand und Fels änderte sich der Untergrund beinahe permanent und gegen Mittag kamen wir an den Ausgang aus dem Wadi. Diesen muss man sich wie eine Art Tunnel vorstellen, der ungefähr 1,30m Wassertiefe hat und insgesamt wohl kaum höher als 1,70m war. Folglich nahm jeder seinen Rucksack auf den Kopf und bückte sich selbst ins Wasser, Hauptsache das Gepäck blieb trocken. Kurz darauf erreichten wir dann den heiß ersehnten Bus, der uns zu unserem nächsten Ziel Petra brachte.