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Ökumene retten!

Wie ist es um die Ökumene bestellt und welches Grundanliegen steckt dahinter? Welche Möglichkeiten des Miteinanders der christlichen Konfessionen gibt es schon heute und wie werden sie genutzt? Was sind Hoffnungen und Befürchtungen in Bezug auf die Zukunft der Ökumene?

Ein ganzes Wochenende lang drehte sich auf der Burg Rothenfels am Main alles rund um die zentralen Fragen der interkonfessionellen Annäherung. Unter dem Schlagwort „Ökumene retten!“ hatten die Vereinigung der Freunde der Burg Rothenfels sowie das Forum Studienjahr Jerusalem vom 12. bis zum 14. November geladen. Rund 80 Teilnehmer unterschiedlicher Konfessionen waren der Einladung gefolgt, um in verschiedenen Vorträgen und Workshops, aber auch im gemeinsamen Gebet und Gottesdienst nach neuen Impulsen für die Ökumene zu suchen.

Ausgangspunkt für die nähere Betrachtung der Ökumene bildete das Gespräch zweier  Vordenker der ökumenischen Bewegung aus der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, Prof. Dr. Harding Meyer und Prof. Dr. Peter Neuner, die dem Leiter der Rothenfelser Bildungsstätte PD Dr. Achim Budde am Eröffnungsabend selbst Rede und Antwort über die Grundanliegen der ökumenischen Bewegung standen.
Nachdem Kirchenrat Ivo Huber den Tagungsteilnehmern am nächsten Morgen „harte Fakten“ in Form von Zahlen und Statistiken zur derzeitigen ökumenischen Landschaft in der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern präsentierte und damit das gegenwärtige ökumenische Tätigkeitsfeld auszuloten versuchte, berichteten Dr. Dagmar Stoltmann-Lukas, Ökumene-Referentin des Bistums Hildesheim sowie Oberkirchenrat Dr. Oliver Schuegraf, Referent für Ökumenische Grundsatzfragen bei der Vereinigten Evangelisch-lutherischen Kirche Deutschlands, von den neuen Zwängen und Konstellationen praktischen ökumenischen Handelns innerhalb der sich verändernden Kirchenstrukturen und zeigten dabei Grenzen wie Chancen für die Ökumene auf. Stoltmann-Lukas wies dabei gezielt fordernd auf existierende Handlungsspielräume hin, die allen Zwängen zum Trotz bestünden: „Oftmals werden Dinge nicht gemacht, obwohl sie längst möglich sind.“

Verschiedene Akteure, die innerhalb dieser komplizierter-werdenden Strukturen ökumenisch handeln, stellten zur Halbzeit der Tagung ihre jeweiligen Ideen in Workshops vor. So skizzierte u.a. Prof. Dr. Philipp Harnoncourt, emeritierter katholischer Liturgiewissenschaftler aus Graz,  sein Modell des „eucharistischen Fastens“ als eine Möglichkeit, mit dem Schmerz der getrennten Abendmahlstische umzugehen. Prof. Dr. Johanna Rahner, systematische Theologin aus Kassel, gab einen Einblick in das das Projekt der ökumenischen Gemeindepartnerschaften. Prof. Dr. Rudolf Prokschi, Ostkirchenkundler aus Wien, nahm die orthodoxen Christen als ökumenische Gesprächspartner in den Blick.

Zum Abschluss der Tagung warf Prof. Dr. Johanna Rahner noch einmal einen skeptisch-kritischen Blick auf Hoffnungen und Befürchtungen in Bezug auf die Zukunft der Ökumene. Dabei wies sie nicht nur darauf hin, wie ökonomisches Denken den Weg der Ökumene mitbestimmt, sondern machte auch deutlich, „warum die ökumenische Uhr für Rom abzulaufen scheint“. Eine fruchtbare Zukunft der Ökumene sei aber nur möglich, wenn dem Prinzip der Komplementarität mehr Berücksichtigung geschenkt würde, so die Systematikerin. „Die Wahrnehmung der Pluralität des Eigenen und die Erarbeitung einer sich daraus ableitenden Hermeneutik der Pluralität erweist sich als die entscheidende ökumenische Herausforderung.“