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Das goldene Kalb des Sinai!

5 Tage statt 40 Jahre – Studienjährler im Sinai 02.01.2011 – 06.01.2011

Neun Studenten des Theologischen Studienjahres mit ausführlichem Freundes- und Familienanhang hatten sich entschlossen, in ihren Weihnachtsferien die freie Zeit für einen Ausflug in den Sinai zu nutzen. Aufgrund von Sicherheitsbeschränkungen war das 37. Theologische Studienjahr das erste, das für die Wüstenexkursion nach Jordanien statt in den Sinai gezogen war. Die kulturelle Erfahrung einer Sinaiexkursion wollte zumindest ansatzweise nachgeholt werden.

Das kulturelle Interesse dieser durchmischten Gruppe kann man schon allein daran erkennen, dass sie am 2. Januar – das war nicht lange nach Silvester! – freiwillig um 7 Uhr morgens von der Jerusalemer Central Bus Station nach Eilat und von da aus weiter zum Grenzübertritt nach Tabah fuhren. Nicht viel unnütze Zeit wollten sie verstreichen lassen und stattdessen ihre Erfahrungen machen. Nach einer langen Sherut-Fahrt, erst entlang des Meeres, dann tief ins Gebirge hinein, kamen sie bei ihrer ersten Bleibe an, dem sogenannten Desert Fox Camp. Dies wird von Beduinen geleitet, die sie gleich am ersten Abend zu Shisha, Tee und Geschichten in ihr Zelt einluden.

Man war es ja schon seit langem gewohnt gewesen, in der israelischen Glut zu zerschmelzen, aber hier im Sinai-Gebirge, mitten im Winter, war es einfach kalt. So saß man selbst am Lagerfeuer im Beduinenzelt noch mit dickem Anorak. Begeisterung lösten jene aus, die mit ihrem gelernten Arabisch irgendwelche Sätze radebrechten.

Am folgenden Tag wollte man der Kultur noch viel offizieller Genüge tun. Das Katharinenkloster, das nahe dem Desert Fox Camp liegt, war schon immer Anlaufspunkt des Studienjahres gewesen. Nun standen die elitären Vertreter desselben vor ihrer Pforte – vor der Bischofspforte! – und wurden persönlich von Bruder Justin begrüßt. So erhielten sie eine kleine Führung, konnten von einem Dach aus das Kloster überschauen und allerlei nützliche und unnütze Fragen stellen. Anschließend wurde die Klosterkirche besichtigt, jedoch nicht ohne ein paar einleitende Worte von Joachim. Freiwillig hatte er die Mühe auf sich genommen, noch einmal seinen Vortrag von vor ein paar Wochen zu rekapitulieren und etwas zu der Klosterkirche, die der Heiligen Katharina von Alexandrien geweiht war, zu erzählen. Und jeder weiß, wer etwas auf sich hält, ist von einer Basilika und jahrhundertealten Ikonen begeistert. Das Klostermuseum wurde auch nicht ausgelassen.

Nach einem gemütlichen Mittagessen nahmen verschiedene aus der Gruppe ganz unterschiedliche Möglichkeiten wahr. Manche ruhten sich aus, nein, natürlich ließen sie in aller Ruhe die kulturellen Eindrücke des Beduinencamps auf sich wirken. Andere gingen in die nahe liegende Katharinenstadt und dritte ergriffen die Chance, die Kirche einmal in Ruhe zu erleben; man war zur Vesper geladen worden und Liebhaber der griechisch-orthodoxen Liturgie kamen auf ihre Kosten.

Es war schon wieder dunkel, als sich alle zum Abendessen versammelten; nach dieser Stärkung saßen sie wieder gemeinsam um das Lagerfeuer im Beduinenzelt herum, sangen Lieder und hörten Geschichten ihres Gastgebers. Doch pünktlich suchte man diesmal das Bett auf, denn nachts, so hatte sich die Gruppe entschlossen, würden alle auf den Moseberg steigen. Viele Besucher taten dies, denn der Sonnenaufgang war von dort oben aus am besten zu betrachten. Der nächtliche Sternenhimmel allein schon die Wanderung wert. Als man oben auf der Spitze angekommen und die Sonne schon eine Weile aufgegangen war (und damit endlich die tiefsitzende Kälte aus den Knochen vertrieb, die unsere an israelische Hitze angepassten Körper erfasst hatte), machte man sich auf den Rückweg. Manche gingen zu Fuß, andere ergriffen die Gelegenheit, einmal auf einem Kamel zu reiten. Es ist ein ganz wunderbares Gefühl, mit einem Kamel bergab zu reiten, vor allem, wenn es abrupt eine ganze Stufe hinuntersteigt. In einer Kurve zugleich bedeutete dies: Nein, nein, nein, ich darf jetzt nicht kopfüber hinunterfallen, da geht es ganz tief hinab. Schließlich kamen aber sowohl Fußgänger als auch Kamelreiter wohlbehalten unten an.

Noch ein kurzes Frühstück, dann ging es schon weiter. Die wissbegierigen Entdecker verließen das „Desert Fox Camp“ und reisten wieder Richtung Rotes Meer zum „Sababa Camp“, das in Nuweiba liegt. Den restlichen Tag wurde sich von den Strapazen der Nacht erholt, die nächste Zeit wiederum war geprägt von Spaziergängen in der ägyptischen Nachbarschaft, Begegnungen mit den arabischen Mitarbeitern und Kindern am Strand und dem Genuss des dortigen Zeitgefühls (geht ins „Sababa-Camp und bestellt einen Mango-Saft. Nein, wirklich, es ist interessant. Bestellt es morgens, geht an den Strand, wartet auf die Mittagshitze, denkt euch „Jetzt wäre eine Erfrischung das richtige“ und nehmt euren bestellten Mango-Saft in Empfang). Was für ein Luxus es doch war, sich dies erlauben zu können!Als es am 06. Januar 2011 an die Heimreise ging, war der Erfahrungswert dieser Reise noch nicht vollkommen – man sollte nicht die „Grenzerfahrungen“ vergessen, die man bei jeder Einreise nach Israel machen kann. So war es doch auch interessant, darüber nachzudenken, nach welchen Kriterien Pässe eingezogen und Rucksäcke durchsucht werden; in diesem Fall war es nicht ganz abzusehen.

So endete die selbstständig organisierte Reise der Studenten in den Sinai dennoch glücklich, als sie in Jerusalem ankamen.

Last but not least sei an dieser Stelle der Ökumenischen Stiftung Jerusalem gedankt, die mit den dieses Jahr erstmalig ermöglichten Kulturgutscheinen den Erfolg dieser Reise finanziell mit unterstützt hat!