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Rundbrief von Dominik Kern – Freitag, 14. August

Jetzt endlich ist es soweit: Für mich hat in Jerusalem ein neuer Lebensabschnitt begonnen, auf dessen persönliche Veränderungen und Konsequenzen ich sehr gespannt bin. Mein momentanes Lebensgefühl ist noch so, dass ich Jerusalem noch nicht wirklich als neue Heimat begriffen habe. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass einem das eigene Zimmer noch nicht als Lebensraum für längere Zeit begegnet, sondern man eigentlich das Gefühl hat, für kurze Zeit hier "geparkt" zu sein.

Deshalb für's erste ausschnittartig ein paar Eindrücke des Lebens hier:  Das "Beit Josef" ist für alle Teilnehmer des Studienjahres gleichsam Heimat und Lernort. Hier wohnen und studieren wir gemeinsam und absolvieren ein sehr reiches und straffes Programm: Jeder hat seine Dienste (Spül- und Putzdienste, Getränke bestellen, Post holen etc.) in der Gemeinschaft; à propos Gemeinschaft: Wir Bewohner des Beit Josef sind ganz elementar in das geistliche und geistige Leben der Benediktiner der Dormitio-Abtei eingebettet. Wir haben die Möglichkeit am Stundengebet und den Gottesdiensten der Mönche teilzunehmen; ein besonderes Erlebnis, da man den Benediktinern nachsagt, den Gottesdienst besonders würdevoll und ästhetisch schön zu feiern.

In den ersten zwei Wochen kamen wir in den Genuss exzellenter Exkursionen: Mit Tamar Avraham M.A., selber ehemalige Teilnehmerin des Studienjahr, gingen wir in die bekannte Memorialstätte Yad Vashem, die an die Schrecken der Shoa erinnert. Tamar erläuterte uns auf ansprechendste Weise die Konzeption der Anlage, auch in ihrem Verhältnis zum benachbarten Militärfriedhof auf dem Herzl-Berg. Hoch interessant, wie sie uns erklärte, dass die Gesamtkonzeption ihre ideelle Grundlage im Zionismus hat. Eine Diskussion mit Tamar am Abend rundete die Sache ab.

Mit Prof. Michael Hermes OSB (Gregorianik) und Prof. Dr. Jürgen Krüger (Kunstgeschichte) starteten wir in die Vorlesungsreihe. Mit Herrn Krüger haben wir einen exzellenten Kenner der Jerusalemer Kunstgeschichte, besonders im Hinblick auf die Grabeskirche, die Bauten auf dem Zion und andere Kirchenbauten. Herrn Krüger verdanken wir das außerordentliche Privileg, über sämtliche erwähnten Bauten, die wir in Exkursionen besuchten, erstklassig aufgearbeitetes Wissen zu erhalten und die Dinge aus einer nicht alltäglichen Weise betrachten zu lernen.

Die eintägige Wüstenexkursion in das Wadi Qelt in der Nähe von Jericho gab uns einen Vorgeschmack der großen Sinai-Exkursion, gleichzeitig stellte sie eine erste Gelegenheit dar, die atemberaubende Schönheit der Wüste kennen zu lernen. Auf vielfache Weise eindrücklich waren die Exkursionen auf den Ölberg und nach Bethlehem/Beit Jalla: Neben fachkundiger Führung durch die Kirchen in Bethlehem verdanken wir Herrn Krüger eine Zusammenkunft mit Frau Faten Mukarker. Sie ist christliche Palästinenserin und hat bis zu ihrem 20. Lebensjahr im schönen Rheinland (in Bonn) gelebt. Bei einem ausgezeichneten Essen erzählte sie uns viel über das Leben in Palästina; freilich war die Politik ein Schwerpunkt: Sehr persönlich und berührend erzählte sie uns von ihren Gedanken über die derzeitige politische Lage und den Konflikt im Ganzen. Neben all den theologischen Inhalten möchte ich vor allem hierzu gerne noch mehr erfahren.

Wenn ich bereits jetzt zurückblicke, bin ich in höchstem Maße erstaunt, wie viel ich in der kurzen Zeit hier schon erlebt habe. Und die Eindrücke mehren sich jeden Tag!

Das fürs Erste,
Herzlichste Grüße aus der heiligen Stadt,
Dominik