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Teil 3: Petra

In Petra waren wir für die nächsten drei Nächte in einem Hotel untergebracht. Aufgrund der vorangehenden Tage der Entbehrung, des Schlafens unter freiem Himmel und des Essens von Pitot und Nudelsuppe wirkte das Schlafen in einem richtigen Bett und das Abendessen in einem Speisesaal unbeschreiblich, v.a. die Möglichkeit nach einer Woche wieder zu duschen vermittelte den Eindruck von Luxus. So konnten wir in alter Frische an den Tisch des Herren treten und gemeinsam Messe feiern, ohne dass der Geruch des Nebenmannes (oder -frau) für größere Ablenkung sorgte. Unter dem Segen Gottes begann die Suche nach dem Speisesaal. Leiblich ausgiebig gestärkt nutzte eine Kleingruppe die freie Zeit, um sich dem Experiment „jordanisches Bier“ zu stellen, insgesamt ging es aber doch recht zügig ins Bett, sodass alle die bevorstehenden Besichtigungen in der nabatäischen Handelsmetropole körperlich und geistig fit miterleben konnten.

Nachdem wir das Ausgrabungsgelände betreten hatten, erhielten wir zunächst einmal eine Einführung in die nabatäische Baupraxis. Als besonders bemerkenswert stellte Ahmed heraus, dass die Nabatäer zu ihrer Zeit bereits den Gerüstbau beherrschten, da es sonst undenkbar wäre, dass sie die Fassaden ihrer Bauten so filigran verzieren konnten. Nach kurzen Erklärungen zu Stufen- und Obeliskengrab suchten wir uns ein schattiges Plätzchen für das obligatorische Morgengebet. Im Anschluss daran startete die Tour, die uns durch den Siq, der berühmt-berüchtigten Schlucht, zum Khazneh (al Firaun), dem Schatzhaus führte, das zumindest jeder Indiana-Jones-Fan kennt. Was es mit dem Schatzhaus auf sich hat, welche Legenden sich darum ranken und wie man versucht, die Fassade zu interpretieren, präsentierte uns Theresa, die außer dem Schatzhaus auch noch Qasr al-Bint Firaun und den Löwen-Greifen-Tempel im Rahmen ihrer Ortsführung erläuterte. Zwischen diesen Führungen wurden die verschiedenen Gräber und Grabbautechniken der Nabatäer vorgestellt, bis es schließlich galt einen Berg zu erklimmen, um dort den Zibb Atuf, den großen Opferplatz zu besichtigen. Obwohl das Regenbogenkreuz unbestritten aufs Engste mit dem Sinai verknüpft ist, konnte es doch auch sehr häufig in Form von zusammengelegten Steinen in Petra gesichtet werden – welcher fromme Pilger da wohl seine Finger im Spiel hatte...

Auf unserem Rückweg lag dann die letzte Station des Tages, el-Medras genannt. Dort befindet sich eine Höhle in der wir in den Genuss unzähliger nabatäischer Inschriften kamen. Auch die müdesten Gemüter konnten sich dafür begeistern, was ein guter Indikator dafür ist, wie beeindruckend die alten Schriftzeichen auf uns wirkten. Abgerundet wurde der Tag von der üblichen Abendandacht und einer netten Spielerunde in einem dafür geeigneten Hotelzimmer.

Unser letzter Tag in Petra hatte nur ein Ziel: Aaronsberg. Damit wir nicht in die größte Mittagshitze gerieten, brachen wir dazu bereits um 6:45 Uhr auf und erreichten wir ihn erst gegen 11:30. Den Aufstieg zu der Moschee, in der dem Grab Aarons gedacht wird, entpuppte sich in der Retrospektive als der anstrengendste Teil der gesamten Jordanienexkursion. Nach der Besichtigung der Moschee samt Kenotaph war es dann Zeit für die wohlverdiente Mittagspause, bevor der Abstieg beginnen konnte. Auf dem Rückweg besichtigten wir noch eine byzantinische Kirche, in der es neben wunderbaren Mosaiken auch ein kreuzförmiges Taufbecken zu besichtigen gab, sowie im Anschluss daran das Königsgrab. An dieser Stelle endete der Tag offiziell, sodass jeder dem heißersehnten Feierabend entgegenstrebte. Dieser wurde jedoch völlig unterschiedlich ausgestaltet. So begab sich eine Gruppe Abenteurer zu der nächsten Kamelstation, um wenigstens für eine kurze Strecke mal auf einem Kamel geritten zu sein. Ein anderer unermüdlicher Teil der Gruppe machte sich unter der Leitung des Studiendekans auf die Suche nach einer Kulthöhe, die nur äußerst vage auf der Karte eingezeichnet war. Tatsächlich wurde auch etwas derartiges gefunden, sodass die Gruppe beschloss, ihr Unternehmen als erfolgreich beendet deklarieren zu können und stolz den Heimweg antrat, um sich dann im Hotel wieder mit der restlichen Gruppe zu vereinen.

Der letzte ganze Tag in Jordanien führte uns zunächst nach Madaba, wo wir die Reste der mit ursprünglich 600 000 Steinchen gelegten Karte des Heiligen Landes bestaunten. Es stammt aus dem 5./6. Jh. Als alle ausreichend Fotomaterial gesammelt hatten, setzten wir unsere Reise zum Berg Nebo fort, auf dem wir im Garten der ansässigen Franziskaner in den Genuss kamen, wie Mose auf das gelobte Land blicken zu dürfen, was der Jordanienexkursion einen emotionalen und theologisch würdigen Abschluss verlieh. Als geistlicher Abschluss wurde ein Lobpreis-Gottesdienst angesetzt, durch den viele den tief empfundenen Dank für die gemeinsame vergangene Zeit in adäquatem Rahmen ausdrücken konnten.

Im Anschluss an die vorerst letzte Nacht unter Sternenhimmel traten wir die Heimreise über Jarash (Gerasa) an. Dort besichtigten wir den Triumphbogen sowie das römische Forum, den Artemis- und den Zeustempel und mehrere Kirchen aus byzantinischer Zeit unter der kompetenten Führung Pierres. Anschließend traten wir per Bus endgültig die Heimreise an. Den Grenzübergang schafften wir nach einigen Missverständnissen auf jordanischer Seite und kurzen Intermezzi bei israelischen Beamten, bei denen ein Kommilitone wohl den Eindruck erweckte demnächst zum Islam konvertieren zu wollen, relativ zügig und erreichten das Bet Joseph gegen 20:00 Uhr.

Abschließend bleibt mir nur noch, mich dem Fazit des 37. Studienjahres anzuschließen, in dem es heißt, dass es sehr schade wäre, wenn die lange Tradition der Sinai-Exkursion langsam an ein Ende kommen würde. Jordanien ist sicher eine genauso wertvolle Erfahrung und wissenschaftlich ähnlich interessant, doch hat der Sinai zusätzlich die wertvolle Komponente des Sich-Eingebundenfühlens in die vielen vorangehenden Studienjahre. Zudem ist Jordanien ehrlicherweise wahrscheinlich auch eher die Tour, die man in Eigenregie viel leichter durchführen kann. Daher bleibt nur zu hoffen, dass sich die politische Lage in Ägypten in absehbarer Zeit wieder entspannt und die Tradition der Sinai-Exkursion dem Theologischen Studienjahr noch lange gewahrt bleibt.