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Panoramablick Wadi Rum, Jordanien

Bericht zur Jordanienexkursion (28.09. - 05.10.2010)

Im Filmklassiker Lawrence von Arabien wird der Protagonist vor seiner Entsendung in die arabische Wüste eindringlich gewarnt: „Lawrence, nur zwei Arten von Wesen macht die Wüste Spaß: Beduinen und Göttern. Und Sie sind beides nicht.“ In diesem Sinne legt im Blick auf die große Wüstenexkursion auch das Studienjahr ein bedenkliches Spaßverständnis an den Tag, wenn man bedenkt, dass deutsche Theologen selten beduinische Wurzeln haben und zu behaupten, dass die Theologie als scientia divina göttliche Wesen hervorbringen könnte, wäre wohl auch Hybris. Dennoch gehört die Wüste zu den Urerfahrungsräumen der Bibel und mit seiner klassischen Sinaiexkursion durchlebt auch das Theologische Studienjahr diese existenzielle Erfahrung der Trennung vom Kulturland und des Aufenthaltes in der Wüste.

Die große Exkursion unseres Studienjahres nach Jordanien wurde allerdings gleichsam aus der Not heraus geboren: Wegen der schwierigen Sicherheitslage im Sinai bekamen wir dieses Jahr nicht das für Übernachtungen im Freien benötigte Visum. Es wäre also lediglich möglich gewesen, im Katharinendorf zu übernachten und von dort aus Tagestouren in die umliegende Wüste zu unternehmen. Um auch unserem Studienjahr das Erlebnis einer richtigen Wüstentour zu ermöglichen, entschied sich die Studienleitung, die große Exkursion nach Jordanien zu verlegen. Zwar gingen auf diese Weise für die Exkursion historisch und theologisch bedeutsame Orte im Sinai wie das Katharinenkloster oder der Moseberg verloren und auch auf den sprachgeschichtlich interessanten Rock of Inscriptions musste verzichtet werden, doch insgesamt konnte der akademische Anspruch der Exkursion in Jordanien zweifelsohne aufrecht erhalten werden. Darüber hinaus ermöglichte das Übernachten in der freien Wüste auch den Teilnehmern unseres Studienjahres eine geistlich-persönliche Wüstenerfahrung, welche nicht durch allzu große Beherbergung im Schoße der Zivilisation abgeschwächt wurde.

28. September

Masada im Rückspiegel...

Nachdem wir in der Woche zuvor einige vorbereitende Referate über die Nabatäer, die Karte von Madaba und Mosetraditionen in Jordanien gehört hatten, ging es nun in nächtlicher Frühe los: Unsere Gruppe bestand aus den Studierenden des Theologischen Studienjahres (leider musste Katharina aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen in Jerusalem bleiben) einschließlich der Studienleitung. Hinzu kamen noch Sylvia Höß, Studienpräfekt Bruder Josef und Abt Benedikt. Für die medizinische Betreuung während der Exkursion begleitete uns Paula Beck, eine Ärztin aus Deutschland, die von unserem Sanitäter Christian unterstützt wurde. Gegen 4:00 verließen wir mit unserem Reisebus Jerusalem und fuhren am Toten Meer entlang durch den Negev nach Süden. Im Kibbuz Samar machten wir die erste Frühstückspause der Exkursion und unsere drei Guides Dafna, Arnon und Erad schlossen sich der Gruppe an.

Bei Eilat überquerten wir die Grenze nach Jordanien und während der Reiseproviant für die nächsten Tage eingekauft wurde, beschäftigten wir uns mit der Geschichte und der neueren Stadtentwicklung von Aqaba, welches durch ein Förderprogramm der Regierung zu einem Tourismuszentrum werden soll. Nach dem Mittagessen fuhren wir weiter in Richtung Wadi Rum, wo wir am späteren Nachmittag ankamen. Das Wadi Rum, dessen Felswände aus Sandstein und Granit bestehen, ist das größte Tal Jordaniens. Wir verließen den Bus in Rum Village, dem Knotenpunkt für die touristischen Aktivitäten im Wadi Rum und verluden unsere schweren Gepäckrucksäcke auf die Jeeps. Lediglich mit den leichteren Tagesrucksäcken beschwert, besichtigten wir zunächst die Überreste eines Tempels aus der Nabatäerzeit und wanderten schließlich zu unserem ersten Nachtlager in der Nähe von Lawrence's spring.

Es folgte ein warmes Abendessen (wie es für unsere Wüstentour typisch werden sollte) und der sternenklare Himmel über der dunklen Wüste löste bei uns allen Bewunderung und Ehrfurcht aus. Nach dem Abendgebet gingen wir alle in Erwartung der am nächsten Tag richtig beginnenden Wüstenwanderung bald zu Ruhe.