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Wandern in der High Mountain Region

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Nach dem umständlichen Grenzübergang nach Ägypten geht es zunächst mit dem Bus entlang der Küste weiter. Wir kommen am sog. Coral Island vorbei, einem kleinen, in der Antike und dem Mittelalter strategisch bedeutenden Eiland. Weiter führt die Fahrt ins Sinaihochland, genauer: ins Katharinendorf.

Da wir uns relativ hoch im Bergland befinden, sind die Temperaturen verhältnismäßig angenehm. Schnell sind die Rucksäcke für die erste Wanderetappe auf den Gebel Musa (den Moseberg) gepackt. Katharinenkloster und –dorf sind eine der touristischen Anziehungspunkte des Sinais; glücklicherweise gehen wir jedoch auf Pfaden, die nicht von Touristen überlaufen sind. Das Kloster ist ein sehr altes Zentrum in dieser Gegend; es besteht seit dem 4. Jahrhundert und blieb nach der Islamisierung des Sinai eine christliche Enklave. Trotzdem achteten und schützten die Muslime das Kloster (es heißt, Muhammad selber habe befohlen, das Kloster müsse geschützt bleiben). Somit blieb es bis heute ein bedeutender Anziehungspunkt.

Unser Nachtlager beziehen wir etwas unterhalb des Gipfels in Farsch Elija, der Legende nach Elijas Rückzugsort (vgl. 1 Kön 19f). Die Unermüdlichen stehen am folgenden Morgen besonders früh auf, um den Gipfel des Mosebergs vollends zu besteigen und auf dem Gipfel den Sonnenaufgang mitzuerleben. Dabei sind wir nicht allein: Scharen von Touristen sind wie wir extra früh auf den Beinen um den Gipfel zu erklimmen. Vor allem Russisch und Griechisch ist zu hören.

Unsere Wandertour geht an diesem Tag Richtung Katharinenkloster weiter, wo wir die berühmte Bibliothek besichtigen, sowie die noch viel berühmteren Ikonen, wahrscheinlich die ältesten und schönsten der ganzen Welt. Nach einer Mittagspause brechen wir zur mehrtägigen Wanderung in die so genannten Sinai High Mountain Region um den Gebel Katharina, den Katharinenberg, der höchsten Erhebung des Sinai, auf. Einer herrliche Wanderung, die uns über Stock und Stein über verschiedene Berggrate führte.

Während der Wanderung erfuhren wir von unseren Guides viel über Geologie und Geschichte der Region und lernten die versteckten Juwelen dieser Region schätzen: Die Bustane! Dies sind wahre Paradiesgärten in dieser kargen Landschaft; immer wieder findet sich im Untergrund wasserundurchlässiges Gestein, das wie in einer Wanne über die Jahrhunderte Wasser gesammelt hat. Die Beduinen lernten von den ersten Mönchen, wie man diese Quellen findet und sie anzapft, von ihnen lernten sie auch die Bustankultur.

Der Bustan nicht nur seine eigene wichtige Rolle im Stammesrecht der Beduinen, er ist auch allgemeiner Orte der Gastlichkeit: Dort gab es Wasser und dort gedeihen Obstbäume und Gemüse. Während der nächsten Tage schlagen wir unser Nachtlager meist in einem dieser Bustane auf. Der vierte Tag der Exkursion war unser "Wüstentag", ein Tag, der uns Studierenden zur freien Verfügung gestellt war. Allein mit sich und der Natur hatte man hier Zeit für Stille, innere Einkehr und Gebet. Es ist unglaublich, wie still der Sinai ist! Selbst im windstillen Wald unserer Breiten raschelt immer noch ein Blatt oder fiept ein Vogel. Nun, hier gibt es keine Bäume die rascheln oder Vögel die piepsen könnten. Wenn kein Wind weht ist es einfach -- still.

Ähnlich der tagsüber fehlenden Geräuschkulisse fehlt nachtens die in der Stadt übliche  "Lichtverschmutzung", sodass man hier den herrlichsten Sternenhimmel sehen kann. Abends, beim Essen, erzählten uns Davna und Arnon vieles über die Beduinen und gaben auch viele schöne Erzählungen zum Besten.

Nach dem ökumenischen Gottesdienst am Samstag erklommen wir am Sonntag mit dem Gebel Katharina, dem Katharinenberg, den höchsten Berg des Sinai; zugleich Höhe- und auch Endpunkt des Wanderteils unserer Exkursion. Der Ausblick ist nicht zu beschreiben – einfach herrlich. Und besonders eindrücklich machte den den Moment eine kleine Andacht und ein langes Schweigen, das uns die Größe von Gottes Schöpfung nochmals herrlicher aufgehen ließ. Nach dem Abstieg ins Katharinendorf nächtigten wir in einem Camp, um von dort am nächsten Tag zum zweiten Teil der Exkursion, der Jeep-Tour aufzubrechen.