zur Bewerbung

Gemeinschaft

Das Proprium und wohl Einmalige des Theologischen Studienjahres ist jedoch, dass Leben und Lernen in Jerusalem unter einem Dach oder unterwegs, also vorwiegend in Gemeinschaft, stattfindet. Auch die Dozenten aus Europa leben für die Dauer ihrer Lehrveranstaltungen im Studienhaus Beit Josef. Theologische Diskussionen beginnen im Hörsaal und werden oft beim gemeinsamen Essen oder abends in einer gemütlichen Runde auf der Dachterrasse oder in der Bar fortgesetzt. Die Studierenden lernen nicht in erster Linie aus Büchern, sondern in der lebendigen Auseinandersetzung und Begegnung zwischen Lehrendem und Lernendem. Zahlreiche Dissertationsprojekte sind auf diese Weise geboren worden.

Zum gemeinsamen Leben und Lernen gehört das gemeinsame Unterwegssein. Die wöchentlichen Exkursionen „von Dan bis gen Beer Scheva“ gehören zum festen Bestandteil des Studienprogramms. So bleibt die für das Heilige Land charakteristische Pilgertradition in wissenschaftlicher Transformation lebendig. Zum „Urgestein“ des Studienjahres gehört die 10 tägige Sinaiexkursion am Anfang des Programms, die eine 5tägige Treckingtour mit den Beduinen in der High Mountain Region um den Moseberg einschließt. Sie ist mit ihrer Herausforderung an  körperliche und gemeinschaftliche Belastbarkeit und den damit gegebenen Grenzerfahrungen wie ein Tor in das Studienjahr. Die eigene Kultur hinter sich zu lassen und mit einer Gruppe mir noch nicht bekannter Menschen 10 Tage lang gemeinsam das Neue und Ungewohnte tun, verbindet eine Gruppe auf sehr tiefe Weise. Spirituell geht es hier um die großen Themen der Wüste, der Gotteserfahrung des Alten Testaments, um einen Weg der inneren Erneuerung in der Tradition der Wüstenväter und –mütter.

Die zweite große Exkursion führt nach Galiläa in die Welt des Neuen Testaments und des frühen Judentums, eine dritte folgt den Spuren der Kreuzfahrer im Heiligen Land. Als neues Projekt ist eine wissenschaftliche Exkursion nach Kairo nach Ende des Studienjahres in Planung mit den drei Schwerpunkten Ägyptologie, Koptische Kirche und Begegnung mit dem Islam.

Miteinander nicht nur zu diskutieren sondern auch zu beten ist in einem theologischen Studienprogramm keineswegs selbstverständlich; in Jerusalem hat es von Anfang an dazugehört. Das Studienhaus steht im Garten der Abtei Dormitio Maria, die sich als Trägerin des Programms auch in schwierigen Zeiten dafür eingesetzt hat. Die Mönche ermöglichen außerdem für die ständig wachsende Gruppe der Ehemaligen eine bleibende personale Verbundenheit zum Studienort Jerusalem, eine Beheimatung in der „Zionsfamilie“ auch über das Studienjahr hinaus. Die Studenten sind zu den regelmäßigen Stundengebeten in der Abteikirche selbstverständlich eingeladen; sie feiern das liturgische Jahr der monastischen Gemeinschaft mit und unterstützen diese immer wieder, nicht zuletzt durch ihre musikalischen Gaben. Durch diese von der benediktinischen Gemeinschaft garantierte Regelmäßigkeit im Gebet geschieht eine schrittweise Beheimatung in einer spirituellen Tradition, die älter ist als die Kirchenspaltungen des Westens und des Ostens und die so die Grundlage gibt für das folgende Kennzeichen des Studienjahres, seine ökumenische Spiritualität.

Theologie

Ökumenische Spiritualität