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Galiläa-Exkursion 4.11.-15-11-2013

Zwölf Tage lang waren wir als Studierenden-Gruppe im Beit Noah auf dem Gelände des Benediktinerklosters in Tabgha, direkt am See Genezareth, untergebracht. In dieser Zeit wohnten wir in Mehrbettzimmern und waren für alle Belange selbst verantwortlich. Jeden Abend wurde gemeinsam gekocht und nach dem Abendessen, Schnippeln und Abspülen am See eine Abendandacht gefeiert. Von diesem „Basislager“ aus, starteten wir untertags und erkundeten die archäolgischen, kulturellen und landschaftlichen Highlights Galilä

 

Tag 1: Bet Alpha, Bet Shean, Hammat Tiberias und Brotvermehrungskirche in Tabgha

 

Beginnend in Jerusalem führte die Tour am ersten Tag über drei Zwischenstationen nach Tabgha. Die erste davon war Bet Alpha. Dort findet sich eine Synagoge aus dem 6. Jh. mit einem sehr gut erhaltenen Mosaik. Die Synagoge wurde vermutlich gegen Ende des 6. Jh. durch ein Erdbeben zerstört. Dadurch wurde das Mosaik vor menschlichen Zerstörungen bewahrt. Biblische Szenen, ein Tierkreis und Tempelgeräte sind noch gut zu erkennen. Die Weiterfahrt führte nach Bet Schean, die ehemalige Dekapolisstadt Skytopolis. Der Ort hat eine lange Geschichte beginnend in der Bronzezeit, als die Ägypter auf dem Tel herrschten bis in das frühe Mittelalter. Unter den Überresten der Unterstadt finden sich hier aus der römischen und byzantinischen Zeit große Straßen, Badeanlagen, ein Theater, Reste von Läden und sogar eine öffentliche Latrine. Dort haben wir gleich einmal Probe gesessen. Danach ging es weiter an den See von Genezareth nach Hammat Tiberias. Dort entspringen heiße Quellen, die dem Ort seinen Namen geben (hebräisch ham = warm). Man kann hier die Reste verschiedener Synagogenbauten übereinander sehen. Wie in Bet Alpha findet sich ein Tierkreis auf dem Fußboden, der in das 4. Jh. datiert wird. Diese Synagoge wurde im 5. Jh. zerstört und eine neue darüber gebaut. Dadurch wurde das Fußbodenmosaik stark in Mitleidenschaft gezogen. In Tabgha begrüßte uns der Prior P. Elias, dann ging es zu einer Führung durch die Brotvermehrungskirche und schließlich zum wohlverdienten Abendessen.

 

Tag 2: Primatskapelle in Tabgha, Wadi Hamam, Berg Arbel, Kursi und Hippos

 

Den Auftakt des zweiten Exkursionstages bildete ein Besuch in der sogenannten Primatskapelle in Tabgha. Hier wird die biblische Perikope Joh 21 kommemoriert, die von der Erscheinung des auferstandenen Jesus am See Genezareth und seinen Worten an Petrus (daher der Name Primatskapelle) erzählt. Die Pilgertradition verehrt dort außerdem den Stein, auf dem Jesus stand. Durch das Wadi Hamam westlich des Sees ging es dann zum Berg Arbel, den wir zu Fuß erklommen. An den Hängen des Arbel finden sich etliche Höhlen, die Spuren menschlicher Besiedlung aufweisen und die bei Josephus Schauplatz eines Kampfgeschehens zu Herodes‘ Zeiten waren. Kursi, auf der Ostseite des Sees gelegen, war die nächste Station des Tages. Dort verortet die Tradition die Dämonenaustreibung, von der Mk 5, 1-20 par. berichtet, dass die Dämonen in die Schweine fuhren und diese sich in den See stürzten. Archäologen fanden hier eine große Klosteranlage aus dem fünften oder sechsten Jahrhundert, von der im Wesentlichen noch eine Basilika erhalten ist. Den Abschluss für diesen Tag bildete Hippos, ebenfalls am Ostufer des Sees. Die hellenistische Stadt, die um 200 v.Chr. gegründet wurde, gehörte zur sogenannten Dekapolis. 749 nC durch ein Erdbeben zerstört, sieht man noch heute viele Säulen kreuz und quer liegen. Es wurden schon einige Mosaike entdeckt, aber wieder zugedeckt. Gut das wir nichts machen, dass Archäologen nicht auch tun würden.

 

Tag 3: Bar’am, Omrit, Banias und Har Bental

 

Die dritte Tagesexkursion führte uns zuerst in das Dorf Bar’am, nahe der libanesischen Grenze. Archäologisch von Interesse ist dort eine Synagoge aus dem 2./3. Jahrhundert, ein klassisches Beispiel für den sogenannten frühen galiläischen Synagogentypus. In jüngerer Zeit erlangte das Dorf traurige Bedeutung als im Unabhängigkeitskrieg die dort siedelnden Maroniten gewaltsam vertrieben wurden. Weiter ging es nach Omrit, dem Fundort von mehreren übereinander gebauten Tempelanlagen aus verschiedenen Zeiten. Manche Archäologen glauben hier den Augustus-Tempel Herodes‘ des Großen gefunden zu haben, den man bisher in Banias vermutet aber nicht gefunden hatte. Banias (=Caesarea Philippi) war auch die dritte Station des Tages. Mehrere Heiligtümer, darunter ein Pan-Heiligtum sind dort zu besichtigen und geben Einblick in den damaligen hellenistischen Kult. Eine an die Ortsbesichtigung anschließende Wanderung zum Wasserfall der Hermonquellen führte auch an den Ruinen des Palastes von Herodes Agrippa vorbei. Auf dem Nachhauseweg hielten wir noch auf dem Har Bental in den Golanhöhen, von dem aus man bis nach Syrien blicken kann. Bunkeranlagen aus dem Yom-Kippur-Krieg sind dort erhalten und begehbar. Außerdem gibt es dort oben im Coffee Anan (Cafe in den Wolken) einen sehr leckeren Schokoladenkuchen.

 

Tag 4: Magdala, Sepphoris und Berg der Seligpreisungen

 

In Magdala, zwischen Tabgha und Tiberias gelegen, konnten wir eine Anlage besichtigen, in der ganz aktuell gegraben wird. Dort wurden u.a. eine Synagoge und gut erhaltene Dorfstrukturen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus zu Tage gebracht. Den Großteil des Tages verbrachten wir jedoch in Sepphoris, um die Zeitenwende eine wichtige hellenistische Stadt, die auf eine lange Besiedlungsgeschichte zurückblicken kann. Die Stadt liegt auf halber Strecke zwischen See Genezareth und Mittelmeer und bildete ein wichtiges Verwaltungszentrum unter den Hasmonäern. Ihre Überreste sind gut erhalten und so können dort heute öffentliche Gebäude vom Marktplatz bis zum Theater, bedeutende Mosaike und Monumentalgebäude betrachtet werden. Ein besonderes Schmankerl bot die Studienleitung. Sie führte einen Ausschnitt aus einem antiken Theaterstück auf und bekam dafür schallenden Beifall. Nahe Tabgha liegt der Berg der Seligpreisungen, der zum Abschluss des Tages besichtigt wurde. Hier gedenkt der Bergpredigt Jesu und besonders der darin enthalten Seligpreisungen (Mt 5).

 

Tag 5: Gamla, Chorazin und Kapharnaum

 

Im südlichen Golan gelegen, östlich des Nordufers des Sees, liegt der Nationalpark Gamla, der nicht nur historische, sondern heutzutage durchaus auch politische Bedeutung hat. Die Stadt Gamla, die, wie Flavius Josephus berichtet, im jüdischen Krieg nach erbittertem Widerstand der Bevölkerung durch die Römer zerstört wurde, gilt heute nicht nur als Symbol für heroischen Patriotismus, sondern ist auch archäologisch von großem Interesse, da sie nach der Zerstörung nie wieder aufgebaut wurde und daher noch Spuren des Kampfgeschehens aufweist. Nördlich des Sees liegt Chorazin, das wir im Anschluss besichtigten. Die Überreste der Stadt, die neutestamentlich in den sogenannten Weherufen über die galiläischen Städte (Mt 11,21 und Lk 10,13) genannt wird, lassen auf Reichtum der Bevölkerung schließen, denn z.B. die dort gefundene Synagoge war reich geschmückt. Darüber hinaus sind in Chorazin Siedlungsreste dreier Stadtviertel und u.a. eine Ölpressen-Anlage zu finden. Die Ortsführung in Kafarnaum beschloss die erste Woche der Galiläa-Exkursion. Kafarnaum liegt nicht weit entfernt von Chorazin an der nordwestlichen Küste des Sees. Zahlreiche Perikopen des Neuen Testaments werden dort verortet. Kafarnaum lag günstig am fruchtbaren Ufer des Sees und in der Nähe der wichtigen Durchgangsstraße nach Damaskus. Fischerei und Landwirtschaft waren hier in hellenistisch-römischer Zeit hoch entwickelt. Ein wichtiges Gebäude sticht in diesem Ort heraus, das im Lauf der Zeit den Wandel von einem Versammlungsraum zu einer großen oktogonalen Kirche durchmachte. Die Pilgertradition identifiziert das Gebäude mit dem Haus des Petrus. Daneben finden sich großflächige Siedlungsreste und eine guterhaltene Synagoge, die aber nicht aus der Zeit Jesu stammt.

 

Tag 6: Das Brotvermehrungsfest in Tabgha

 

Am Wochenende gab es kein Besichtigungsprogramm. Stattdessen feierten wir zusammen mit den Mönchen, Patriarch Fuad und vielen einheimischen Christen aus der Umgebung das Brotvermehrungsfest in Tabhga. Das war eine gute Gelegenheit das bisher gelernte Arabisch auszuprobieren. "Und er ruhte am siebten Tag" Am Samstag war das Gelände von Kloster und Begegnungsstätte so richtig voll. Umso schöner war der Sonntag, an dem in Tabgha kein Pilgerbetrieb herrscht. Wir hatten einfach Zeit. Manche nutzten den Tag zum Wandern, andere genossen die Stille am See und in den Plantagen.

 

Tag 8: Politischer Studientag Golan

 

Das Exkursionsprogramm ging mit Tag 8 am Montag in eine neue Runde. Der Studientag Golan setzte einen politischen Akzent. Durch Tamar Avraham bekamen wir einen Einblick in die Grenzstreitigkeiten zwischen Israel und Syrien und der oft angespannten Situation auf den Golanhöhen. An einigen Aussichtspunkten konnten wir uns ein Bild über verschiedene Grenzverläufe zu unterschiedlicher Zeit machen. Die israelische Siedlungspolitik und die dahinter stehende Ideologie, die Besichtigung von Kampfplätzen und Denkmälern waren weitere Schwerpunkte.

 

Tag 9: Nazareth und Berg Tabor

 

Pfarrer Ludger Bornemann vom Pilgerhaus Tabgha führte uns an Tag 9 durch Nazareth und auf den Berg Tabor. Wir besuchten verschiedene Kirchen in der Altstadt von Nazareth und hatten dann ein Gespräch mit einem Vertreter der kleinen Brüder Jesu - eine Gemeinschft, die sich auf Charles de Foucault beruft. Nach der Mittagspause, in der die meisten einen Falafelstand aufgesucht hatten, ging es weiter zum Fuße des Berg Tabor. Zu Fuß machten wir uns an den Anstieg, die Einen entlang der geteerten Straße, die Anderen über einen Trampelpfad und eine besonders abenteuerlustige Gruppe einfach gerade aus. Oben führte Pfarrer Bornemann ein paar Gedanken zur Verklärungsperikope, an die die Kirche auf dem Tabor erinnert. Nebenbei konnten wir bei klarer Sicht die tolle Aussicht auf das Umland genießen.

 

Tag 10: Bet Shearim, Nahal Me’arot und Caesarea Maritima

 

Tag 10 der Galiläa-Exkursion bot ein abwechslungsreiches Programm und begann in Bet Shearim, das in der Jesreel-Ebene, westlich von Nazareth, liegt. Bet Schearim war im 1. und 2. Jahrhundert unter Rabbi Jehuda HaNasi ein wichtiges Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit. Weil sich hier vermutlich auch das Grab dieses wichtigen Rabbiners befindet, wurde Bet Shearim zu einem bedeutenden Begräbnisort und so finden sich hier heute noch ausgedehnte Katakombenanlagen mit Gräbern unterschiedlichster Art. Der Ort vermittelt so einen guten Einblick in die jüdische Begräbniskultur der ersten Jahrhunderte n. Chr. In weit frühere Zeiten fühlt man sich in Nahal Me’arot am Rande des Karmelgebirges versetzt. Die Höhlen, die vermutlich über den Zeitraum von 500 000 bis 40 000 v.Chr. bewohnt waren, weisen Besiedlungsspuren des Homo erectus und des Neandertalers auf. Es wurden Werkzeuge und das Skelett einer Neandertalerin gefunden. Ein beeindruckendes Gelände findet sich in Caesarea Maritima, einer wichtigen Hafenstadt in hellenistischer Zeit, die 50 km nördlich vom heutigen Tel-Aviv liegt. Von Herodes dem Großen wurde die Stadt zur Residenzstadt ausgebaut und so finden sich heute noch neben Hippodrom und Theater Überreste eines Kaisertempels. Von den antiken Hafenanlagen ist heute leider nicht mehr viel zu sehen. Auch in diesem Theater haben wir die Akustik getestet. "Hat der alte Hexenmeister" war laut und deutlich zu hören mit sanftem Meeresrauschen im Hintergrund.

 

Tag 11: Hazor, Tell Dan und Bethsaida - Abschiedsfest

 

Die letzten beiden Exkursionstage standen unter der Leitung und Führung von Prof. Gunnar Lehmann von der Universität Beer Scheva. Er besuchte mit uns vor allen Dingen wichtige Ausgrabungsorte zur Bronze- und Eisenzeit und stellte jeweils anschaulich die Bezüge zur Geschichte des Alten Israels dar. Den Anfang machte Tel Dan, am Fuß des Hermon. Ausführlich besichtigten wir dort eine Kulthöhe, sowie eine Doppeltoranlage aus der Eisenzeit. Bedeutend für die biblisch-archäologische Forschung war der Fund der sogenannten Tell-Dan-Stele 1993/94, auf der erstmals außerbiblisch die Bezeichnung „Haus Davids“ für die judäische Königsdynastie auftaucht. Interessant ist auch ein fast vollständig erhaltenes Stadttor aus Lehmziegeln aus der Mittelbronzezeit, das durch einen Erdwall so lange geschützt wurde. Zweite Station war der Tel Hazor. Die dort vorzufindenden Siedlungsreste reichen von der Mittelbronzezeit II bis in die hellenistische Zeit. Die dortige Ausgrabung beschränkt sich auf die Oberstadt des Tels, an dem sich ebenfalls Überreste einer Toranlage der Mittelbronzezeit finden, in der Hazor zu den größten Ansiedlungen der Gegend gehörte. Ein Breitraumtempel aus derselben Zeit wurde in der Spätbronzezeit ausgebaut. Aus der Eisenzeit findet sich ein Sechskammertor mit Kasemattenmauer. Funde, die auf ein Großreich unter König Salomo hinweisen, wurden jedoch nicht gemacht. Abschließend ging es nach Betsaida, nördlich der Einmündung des Jordans in den See Genezareth. Der biblischen Überlieferung nach wurde dort Petrus geboren. P. Bargil Pixner, Benediktiner und biblischer Archäologe, hat dort gegraben und den Ausgrabungen diesen Namen gegeben. Heute ist sehr umstritten, ob es sich bei dem dort vorzufindenden Tell tatsächlich um die antike Stadt Betsaida handelt. Die ausgegrabenen Überreste aus der hellenistisch-römischen Zeit (2 Häuser) reichen für die meisten Archäologen nicht für eine Identifizierung aus. Die wesentlich bedeutenderen Siedlungsreste, die man hier gefunden hat, stammen aus der Eisenzeit II: Ein Vierkammer-Tor mit einer außergewöhnlichen Stele, die vielleicht den Mondgott Haran darstellt, der im syrischen Raum verehrt wurde.Nach einem Abendspaziergang an den Jordan aber schnell zurück zum Beit Noah, denn es gilt den letzten Abend in Tabgha kulinarisch vorzubereiten. Für den Grillabend mit den Brüdern und Schwestern werden verschiedene Salate und jede Menge Grillgemüse geschnippelt, Soßen abgeschmeckt und die Grills angeheizt. Nach dem ausführlichen Abendgebet und einer Begrüßung durch den Studiendekan ist der Sturm auf das Buffet eröffnet. Zu späterer Stunde bedanken wir uns musikalisch bei den Personen, die die Fahrt für uns so einmalig gemacht haben: Ludvi, the busdriver, Vincent, die Katze und last but most important unsere spitzen Studienleitung Thomas, Dominik und Maria. (Gratulation und Dank auch an die Songwriter und Interpreten). Viele Hände tragen danach zu einem schnellen Aufräumen bei und bei Bier, Wein und Saft nutzen viele noch die laue Nacht, um sich draußen zu unterhalten.

 

Tag 12: Tel Jezreel, Megiddo und Dor

 

Auf dem Tel Jezreel ist heutzutage nicht viel zu sehen. Zur Zeit der Dynastie der Omriden im Alten Israel dagegen war dort eine wichtige Palastanlage und somit ein Machtzentrum. In der Neuzeit waren dort arabischer Häuser. Sehr viel mehr zu sehen ist auf dem Tel Megiddo, der von amerikanischen Archäologen auf das Ausführlichste ausgegraben wurde. Toranlagen aus Bronze- und Eisenzeit, Tempelanlagen aus allen möglichen Jh. sowie große Palastanlagen und Ställe finden sich dort. Umstritten ist wiederum, ob die Anlagen König Salomo zugeordnet werden können. Diese Frage ist Teil einer großen Debatte um die Chronologie in der biblischen Archäologie, die bisher nicht zweifelsfrei aufgelöst werden konnte. Die letzte archäologische Stätte der Galiläa-Exkursion war der Tel Dor an der Mittelmeerküste, südlich von Haifa. Dor war eine der Haupthafenstädte des Alten Israels.

Nach einem kurzen Badeintermezzo fuhr unser Busfahrer Ludvi uns zurück nach Jerusalem.