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Die Galiläa-Exkursion

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Den zeitlich größten Teil nahm im letzten Monat unsere große Galiläa- Exkursion ein. Am ersten Tag ging es durch das Jordantal, entlang der Grenze zu Jordanien, hoch Richtung Untergaliläa, in die Gegend südlich des Sees Genezareth. Ein erster Haltepunkt war Beth-Shean/Skythopolis, das an einem in der Antike wichtigen Verkehrsknotenpunkt liegt. Es handelt sich um eine sehr interessante und hinsichtlich der Bausubstanz erstaunlich gut erhaltenen Stadt, die sich zuerst auf dem Hügel, auf dem man heute noch eine ägyptische Garnision aus der Spätbronzezeit besichtigen kann, befand, später dann, v.a. in der römischen Zeit zu einer wahre Metropole wurde.

Weiter ging es nach Tiberias, der heutigen "Metropole" am linken Ufer des Sees, wo wir im nahegelegenen Hamat Tiberias (darin steckt das semitische Wort für "warm, heiss", das man z.B. noch im "Hamam", einem Heissbad findet: Hier gab und gibt es heiße Quellen) die Überreste und Mosaiken einer alten Synagoge bestaunen.

Sonnenuntergang in Tabgha am See Genezareth

Unsere Unterkunft wird für die künftigen Tage das Priorat Tabgha, eine "Filiale" der deutschen Benediktiner vom Zion, bei Kafarnaum am See Genezareth sein. Tabgha ist ein wahres Paradies, mit schönen großen Gärten; durch diese fließt ein kleiner Zufluß zum See, der auf dem Grundstück der benachbarten Franziskaner entspringt. Die Benediktiner stauen dieses Bächlein an, so dass man auf dem Gelände von Tabgha einen schönen Pool hat (was doch sehr sinnvoll ist; im Sommer stöhnt diese Gegend unter Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius!!).

Unsere nächste Station am Tag darauf ist Gerasa, wo man den Ort vermutet, an dem nach den Evangelien Jesus Dämonen aus einem Besessenen in die Schweineherde ausgetrieben haben soll (das ist interessant zu lesen, da die drei Synoptiker Mt, Mk, Lk jeweils etwas unterschiedlich berichten und auch der Ort bei jedem geringfügig anders heisst). Ordentlich bergauf geht es, als wir nach Hippos fahren, das bereits in den Anfängen der Golan-Höhen liegt; diese beginnen nämlich gleich im Hinterland des Sees. Die Höhen wirken sehr "gebirgig", tatsächlich aber muss man dabei bedenken, dass der See selber unter Meeresspiegelniveau liegt.

Aussicht von Hippos auf "HaGalil"

Hippos (die lokale Bezeichnung "Sussita" führt noch das hebräische "sus" - Pferd - im Namen mit) bietet wiederum sehr interessante Ruinen, sowie einen herrlichen Ausblick. Dies wird sich in den kommenden Tagen häufiger wiederholen: Anders als die Sinai-Exkursion, die neben den archäologischen Highlights auch zu einem großen Teil die spirituelle Beschäftigung mit sich selbst und dem "Nachempfinden" einer "Wüstenexistenz" beinhaltete, ist die Galiläa-Exkursion zu einem gewissen Teil eine Aneinanderreihung von Tagesexkursionen zu den vielen archäologisch und theologisch bedeutsamen Orten Galiläas. Wir werden also vielen alten Steine und - da praktisch alle antiken Siedlungen auf einer Anhöhe oder einem Berg angelegt wurden - viele beeindruckende Aussichten begegnen.

Manche meinen, dass mit "der Stadt, die auf einem Berg liegt und nicht verborgen bleiben kann" (Mt 5, 14) Hippos gemeint ist. An diesem Tag führt uns die Tour noch in das Museum eines Kibbuz mit jungsteinzeitlichen Funden, zu den Ruinen eines alten Wüstenschlosses und zur Mensa Domini-Kirche, die gleich neben Tabgha liegt. In Tabgha und in Mensa Domini gleichermaßen wird jeweils Vermehrungsgeschichten gedacht: In Tabgha die wundersame Vermehrung von fünf Broten und zwei Fischen, wie sie uns vor allem die Synoptiker überliefern; in Mensa Domini wird dabei vor allem an das Vermehrungswunder am Schluss des Johannesevangeliums gedacht, als der Auferstandene den fischenden Jüngern begegnet.

Pferderennen im Hippodrom von Caeserea Maritima

Tags darauf ist der Ort Beth Shearim (nicht mit Meah Shearim, dem ultraorthodoxen Viertel in Jerusalem zu verwechseln) an der Reihe; er war nach 70 n. Chr. ein wichtiges Zentrum des frühen rabbinischen Judentums. Zu besichtigen sind die Gräber vieler wichtiger Persönlichkeiten des rabbinischen Judentums der Spätantike. Weiter geht die Tour zu einem besonders schönen Ort, nämlich zum am Mittelmeer gelegenen Caesarea Maritima. Da heute auch 11.11., Tag des hl. Martin und Karnevalsbeginn ist, ist die Stimmung noch etwas fröhlicher als sonst. Nach einer klitzekleinen karnevalesken Sektpause sind wir dann aber auch schon zügig durch die große Anlage unterwegs, in der es viel zu bestaunen und zu bewundern gibt: Die Anlagen der römischen Zeit sind wunderbar erhalten, besonders sehenswert sind Hippodrom und Amphittheater. Nicht zuletzt findet sich hier die einzige archäologische Inschrift, die den Namen "Pontius Pilatus" trägt. Zur Krönung des Tages scheint auch die Sonne und bietet so zusammen mit dem blauen Meer ein malerisches Bild.

Sonnenuntergang auf dem Tabor

Studienjährler sind gerne auch zu Fuß unterwegs! Am Nachmittag kamen wir am Berg Tabor an, auf dem sich nach biblischem Bericht das Verklärungswunder zugetragen haben soll (u.a. Mk 9,2f). Wir erklimmen den Berg, genießen dabei die herrlich unberührte Natur und den unschlagbaren Ausblick, den die Nachmittagssonne schon leicht in goldfarbenes Licht taucht. Auf dem Berg bestaunen wir die (römisch- katholische) Verklärungskirche, die aus dem 20. Jh stammt. Unsere Dekanin, Professorin für Neues Testament und Franziskanerin, legt uns hier oben die Geschichte des Evangeliums aus und gibt interessante Impulse. Unsere Abendandacht dann, als wir wieder zuhause sind, weckt kindliche Erinnerungen: Nach der Andacht ziehen wir, mit Teelichtern ausgestattet, in einem kleinen St. Martins-Zug vom Andachtsort zu unserem Wohnhaus zurück und singen dabei "St. Martin...".

Am nächsten Tag besichtigen wir Kafarnaum, d.h. die dortige Synagoge und die Kirche, die auf dem Haus des Petrus steht. Kafarnaum war eine wichtige Wirkungsstätte Jesu. Wieder in luftige Höhen, nämlich in den Golan, führt man uns nach Gamla. Dieser Ort heißt so, weil der Doppelhügel, auf dem die Stadt erbaut wurde, wie die zwei Höcker eines Kamels aussieht. Die Stadt im ersten nachchristlichen Jahrhundert ein Zentrum des jüdischen Aufstandes gegen die Römer, wurde belagert, grausam erobert und schließlich zerstört (wovon Flavius Josephus ausführlich berichtet). Neben den archäologischen Überresten bietet der Nationalpark Gamla aber auch etwas für Wanderfreunde: Fast schon überflüssig zu sagen, dass die Aussicht wiederum grandios ist. Ebenso schön ist auch der Wasserfall von Gamla, sowie der Blick über die Weiten des Golan.

Die Synagoge von Kapernaum

In einer Stadt in der Nähe holt uns die Politik ein: Wir besuchen dort ein Museum und sehen aus mittlerer Entfernung zwei Soldaten der UN, die uns daran erinnern, dass der Golan seit dem Sechstagekrieg von Israel besetzt ist und wegen seiner strategischen Bedeutung, aber auch wegen der reichen Wasserreserven ein anhaltendes Politikum darstellt. Apropos Wasser: Ganz aus dem eher historisch-archäologischen Rahmen fällt ein Besuch im Wasserwerk Meqorot, der uns vor Augen führt, wie wichtig Wasser in Israel ist, welche politische Bedeutung es hat und auch welcher Erfindungsreichtum und technische Genialität in der Wasserversorgung Israels steckt. Mit Syrien und dem Libanon, den "Nachbarn" im Norden gibt es keine offene Grenze, offiziell ist man immer noch im Kriegszustand miteinander (deshalb fliegen des öfteren Raketen nach Nordgaliläa). Richtung Nordgrenze, nur 5 km vom Libanon entfernt, fahren wir am Tag darauf nach Bar’am, wo wir eine alte Synagoge besichtigen; eine geplante Fahrt zum Carmel scheitert und so fahren wir nach Kana (der Ort des Weinwunders) wo wir einen schönen Nachmittag verbringen. Kana ist, wie viele Städte und Dörfer in Galiläa, z.B. auch Nazareth, eine arabische Stadt. Generell sagt man von Galiläa (und insbesondere von Haifa, dazu später), dass hier das Zusammenleben von Israelis und Arabern besser klappt als anderswo in Israel. Sicher gibt es, wie im Falle von Nazareth, ein arabisches Nazareth und Nazareth Illit, eine israelisch geprägte Neustadt. Man berichtete uns aber, dass es nicht ein Nebeneinanderher sei, sondern sich eigentlich ganz profane Möglichkeiten des Austausch ergeben, nämlich der gegenseitige Einkauf: So kommen Israelis am Sabbat gerne nach Nazareth, um dort einzukaufen, da dort die Läden offen sind. Andersherum können Leute aus Nazareth Sonntags in Nazareth Illit einkaufen.

Mosaik der "Mona Lisa von Galiläa"

Nach dem Brotvermehrungsfest am Samstag (ein sehr schönes und feierliches Pontifikalamt mit dem arabischen Weihbischof des Patriarchats von Jerusalem), dem freien Tag am Sonntag, den einige Kommilitonen zu einer Wandertour auf den Arbel, den Hausberg von Tiberias, nutzen, und einem geistlichen Einkehrtag am Montag, geht es am Dienstag in das bereits angesprochene Nazareth. Davor besuchen wir Sepphoris mit seinen wirklich herrlichen Mosaiken. In Nazareth machen wir einen kleinen Stadtrundgang und besuchen natürlich Kirchen, darunter die große römisch- katholische Verkündigungsbasilika.

Der Mittwoch wird noch einmal besonders schön: Nach dem Besuch des Tel Hazor fahren wir in die beiden Nationalparks Dan und Banjas, die ganz hart an der libanesischen Grenze liegen (zeitweise fahren wir direkt an ihr entlang). Die beiden Parks bieten neben Ausgrabungen und Geschichte auch eine wirklich herrliche Natur. Wir befinden uns schon in der Nähe des Hermon-Massivs, auf dem bereits schon Schnee liegt und der ebenfalls eine Wasserquelle darstellt. Offiziell endet unsere Tour am Donnerstag mit einer kleinen Wanderung auf den Seligpreisungsberg (Bergpredigt, Mt 5).