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Von alten Steinen und jungen Hüpfern

Bericht zur Exkursion des Forums Studienjahr Jerusalem nach Trier


Möchte man ehemaligen Studienjährlern ein Wochenende bereiten, das positiv in Erinnerung bleibt, dann wollen folgende Erfolgsgaranten berücksichtigt sein: Es braucht einen Zielort mit einem wie auch immer gearteten Jerusalem-Bezug, ein abwechslungsreiches und informatives Programm mit einer ordentlichen Portion alter Steine und geistlich-spiritueller Erquickung sowie ausreichend Zeitfenster zu Begegnung und persönlichem Austausch. Vor diesem Hintergrund hat die Exkursion nach Trier im November 2011 gute Chancen, im kulturellen Gedächtnis des Forums einen bleibenden Platz zu bekommen – dank der umsichtigen und engagierten Organisation von Christiane Schneider (im Vorfeld unterstützt von Regina Wildgruber).

Steine, Steine, Steine

Doch darf eine Exkursion nicht mit zu vielen Details starten, sonst sieht man schlussendlich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Dieser Grundregel eingedenk begann das Programm mit „leichter Kost“: Ein abendlicher Stadtspaziergang mit Stephan Wahl am Freitag ermöglichte eine erste Berührung mit der beeindruckenden Bausubstanz Triers, und en passant standen natürlich Wiedersehen und Kennenlernen auf der Tagesordnung – womit manch einer am Ende des Tages mehr über die historischen Hintergründe der Stadt Trier, manch einer mehr über die Exkursionsteilnehmer wusste.

Derart vorbereitet ging es dann am Samstag gewissermaßen in die Vollen: Der Archäologe Prof. Dr. Winfried Weber vom Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum führte die gut 35 Mann und Frau und Kinder starke Gruppe ebenso fachkundig und archäologiekompetent wie kurzweilig und ausdauernd durch das konstantinische und spätere christliche Trier. Dabei kam der Trierer Dom natürlich erst an zweiter Stelle, denn wer sich auf die Suche nach den vermutlich ältesten christlichen Kultbauten macht, der muss in den Untergrund gehen und dort  Steinansammlungen in literarkritischer Manier in Einzelschichten zerlegen und bei Bedarf Fehlendes mit etwas Phantasie ergänzen. Und wem dies an Ort und Stelle zu abstrakt blieb, der konnte im Bischöflichen Museum am Dom an mehreren Modellen die verbliebene besichtigte Steinsubstanz mit den Rekonstruktionen abgleichen. Schlusspunkt der wirklich archäologiegesättigten Tour war die Nekropole unter St. Maximin. So hätte es noch stundenlang weitergehen können, wenn es nach Prof. Weber gegangen wäre, der keinerlei Ermüdungserscheinungen zeigte …

Doch sollten Steine immer in moderater Dosierung geboten werden und so war es äußerst geschickt, dass der nächste und letzte „Steinprogrammpunkt“ erst am Sonntag anstand: Die Führung durch das Rheinische Landesmuseum rundete das Wochenende gelungen ab und bot die Möglichkeit, auch die Fundstücke aus der frühchristlichen Zeit zu besichtigen, die sich nicht mehr in situ befinden.

Gebet, Gesang, Benediktiner

Doch kann es keine gelungene Studienjahresexkursion geben, ohne dass dem Gotteslob ein angemessener Platz eingeräumt wird, frei nach dem Motto: „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen!“ Auch daran war gedacht, jeder Tag hatte seinen eigenen geistlichen Programmpunkt: Am Freitag Abend wurde ein ökumenisches Abendlob in der Krypta des Doms gebetet und am Sonntag konnte jeder nach eigener Vorliebe aus einer Vielzahl an Gottesdiensten auswählen.

Den spirituellen „Höhepunkt“ erlebte die Exkursionsgruppe aber am Samstag, als in der Abtei St. Matthias eine durch und durch benediktinische Vesper mitgefeiert werden konnte – und das direkt am Apostelgrab! Vielleicht war es die dadurch ausgelöste Ergriffenheit (vielleicht auch die Erfülltheit durch die zahlreichen Worte des Vormittags), die bei der anschließenden Führung durch die Abtei zu einem doch deutlich reduzierten Frageinteresse führte – doch gab der Gastbruder nicht auf und intonierte bis zur letzten Station: „Noch Fragen?“ – um meist etwas enttäuscht festzustellen: „Nein?! Dann weiter!“

Zweimal jedoch kam im Rahmen des Klosterrundganges Leben in die Gruppe: In der Bibliothek wurde begeistert und fasziniert die Möglichkeit wahrgenommen, „uralte Schinken“ anzufassen und darin zu schmökern. Und auf dem Friedhof kehrte eine besinnlich-bedächtige Stimmung ein, als am Grab von Laurentius Klein in einer kurzen Andacht des Gründervaters des Studienjahres und Abt-Administrators der Dormitio gedacht wurde.

Gespräche, Wein, Wickeltische

Zu guter Letzt hat eine Forumsexkursion immer auch ein wenig „Klassenfahrtcharakter“: Es gäbe vermutlich auch große Beschwerden, wenn dem nicht so wäre. Und so wurden – neben den immer möglichen Plaudereien während des restlichen Programms – zwei explizite Austauschgelegenheiten geboten, einmal trocken, einmal feucht-fröhlich: Bei der Mitgliederversammlung gab es zwar nichts zu trinken, dafür aber viele Informationen rund um die Vereinsarbeit. Und nach so viel Redeprogramm kam die anschließende Weinprobe im Keller der Bischöflichen Weingüter gerade recht: Beim Gang durch die unterirdischen Weinlager, von der Weinfee, die von Station zu Station schöner wurde, mit edlen Tropfen versorgt, löste sich so manche Zunge im Laufe des Abends und die Gruppe wurde immer heiterer – was nicht nur an der ausgezeichneten Schieferlage des Rieslings lag.

Neben den vielen altbewährten Programmbausteinen bot die Trier-Exkursion allerdings auch einige neue Programmpunkte – etwa die Nutzung von Wickelräumen. Das Forum Studienjahr hatte in diesem Jahr nämlich ausdrücklich auch die Familien und insbe¬son¬dere die Kinder der Mit¬glieder zur Exkursion eingeladen, mit dem Resultat, dass immerhin vier Kinder im Alter von 4–18 Monaten an der Exkursion teilnahmen. Diese waren zwar noch nicht an allen alten Steinen interessiert, doch stand die nachwachsende Studienjährler-Generation immer wieder im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und die Kinderwagen boten ganz neue Exkursionsansichten.

Und die Moral …

So lässt sich am Ende von erfahrungs- und erlebnisreichen gemeinsamen Stunden in Trier festhalten: Schön war’s, sehr schön! Doch zum Glück ist nach der MV ja vor der MV und nach der Exkursion vor der Exkursion – und so darf sich bereits gespannt auf Dresden 2012 vorgefreut werden!

 

Sabine Hüttig/Christian Schramm