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Iran-Exkursion 2015

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Faszinierendes Persien - Jubiläumsexkursion in ein beeindruckendes Land voller Widersprüche

"Was hast Du vorher über den Iran gedacht? Was denkst Du jetzt?"

Seltsam ertappt fühlten sich viele von uns bei dieser Frage, die wir so oder in leichter Variation sehr oft zu hören bekamen während unserer Reise von Shiraz nach Teheran. Die Iraner und Iranerinnen wissen um das einseitige Bild, dass wir EuropäerInnen von ihnen haben und die meisten von uns werden wohl nicht müde, nach ihrer Rückkehr immer wieder zu betonen: der Iran ist anders!

Dabei begann die gesamte Reise für die meisten von uns erstmal anders, als wir uns das vorgestellt hatten: statt wie geplant über Istanbul nach Shiraz zu fliegen, standen wir in Frankfurt zwei Stunden berieselt von der Boarding-Musik der Türkisch Airlines auf dem Fleck, weil das Rad unseres Fliegers ausgetauscht wurde... Während vier von uns, die erst in Istanbul zu den 29 in Frankfurt Startenden stoßen sollten, sich wie geplant auf dem Weg in die Stadt der Rosen und Dichter befanden, begann die Reise für die meisten mit einem unerwarteten Tag in der Stadt am Bosporus, den wir allerdings in der bewährten Art eines Studienjahres-Exkursionstages unter der Regie der Istanbul-Gereisten mit einem Programm von Chora-Kirche bis Sultan-Achmed-Moschee bestens zu nutzen wussten. Georg erwartete uns in der Nacht gemeinsam mit unserem iranischen Guide Amir am Flughafen in Shiraz.

Ein Spaziergang durch die Stadt ermöglichte uns am Dienstag ein entspanntes Ankommen: Ein Blick in den Ali ibn Hamze holy shrine, vorbei an der Festung Karim Khan zur Vakil-Moschee, die wir besichtigt haben; Streifzüge durch den Basar, die Khan Medresse und schließlich der berühmte Orangengarten, bevor der Tag an den Dichtergräbern von Sa’adi und Hafiz ausklang…

Am zweiten Reisetag stand zunächst mit dem Besuch der Achämenidenhauptstadt Persepolis ein erster Höhepunkt auf dem Programm, der uns eine etwas andere Perspektive auf das Geschick jenes "anderen Landes", das 539 v. Chr. Teil des Persischen Weltreiches wurde, ermöglichte: So klein und unbedeutend ist es, dass es nicht einmal auf dem Relief am Apadana-Palast, das die Gesandschaften, die am Neujahrsfest aus allen Teilen des Landes nach Persepolis kamen, um dem Großkönig ihre Geschenke zu bringen, darstellt, abgebildet ist... Die Gräber der Herrscher von Persepolis haben wir dann in Naqsch-e Rostam besichtigt, tief beeindruckt von filigranen Kunstfertigkeit, die sich in der Reliefkunst aus archämidischer Zeit zeigt. Wie grob wirken dagegen die Sassanidischen Felsreliefs in der Nekropole! Die Darstellungen der Investitur Ardeshir I. und Narsehs, haben jedoch aus ganz anderen Gründen das Interesse vor allem eines Reiseteilnehmers geweckt, der dies als Anlass nahm, zu uns über den „Ring der Macht“ zu sprechen… Für manch einen unter uns bildete jedoch der Besuch am Grab des Kyros den eigentlichen Höhepunkt des Tages. In Pasargadae hat uns Georg verraten, dass er schon als Schüler davon träumte, dieses Grab, das auf seinem Geschichtsbuch abgebildet war, einmal zu besuchen. So befanden wir diesen Ort auch eines Gruppenfotos würdig!

Am dritten Tag erwachten wir nach einer spätabendlichen Ankunft in Yazd. In der Stadt hatten wir eine erste Begegnung mit der zoroastrischen Religion. Wir erklommen den Weg zu einem der Türme des Schweigens und besuchten den Feuertempel. Die klassische Lehmbauweise prägt die Altstadt der Wüstenmetropole, auch die Windtürme die für eine Zirkulation des Wassers in den Zisternen sorgen, sind aus Lehm gebaut, ebenso die Jame-Moschee. Zur Mittagszeit reisten wir weiter nach Meybod, um dort in einer Karawanserei einzukehren. Auch Meybod ist ganz in der klassischen Lehmziegelweise erbaut. Wir besichtigten die Festung Narin Qaleh, das Eishaus sowie die Zisterne mit den Windtürmen und den Taubenturm und fuhren anschließend weiter nach Nain, um die dortige Freitagsmoschee, die 960 erbaut wurde, zu besichtigen. Wir haben so viele schöne und beeindruckende Moscheen auf unserer Reise gesehen! Im Iran haben sie alle eines gemeinsam, das für unsere „sunnitisch“ geprägten Augen zunächst ungewöhnlich ist: Jede Moschee hat zwei Minarette. Die Symmetrie spielt in der schiitischen Architektur eine große Rolle. Am späten Abend sind wir erschöpft in Isfahan angekommen, um dort im berühmten Abbassi Hotel (einer ehemaligen Karawanserei) einzukehren und den Tag dort ausklingen zu lassen.

Isfahan – in einem iranischen Sprichwort wird die Stadt wegen ihrer Schönheit als „Hälfte der Welt“ bezeichnet. Wir hatten das Glück, die berühmten Brücken, Wahrzeichen der Stadt, im Wasser zu sehen. Zum Neujahrsfest wird es in den Fluss geleitet, der dann, während des heißen Sommers, austrocknet, weil das Wasser gestaut wird. Unseren Tag in Isfahan haben wir an der Khaju-Brücke begonnen, um anschließend auch die Brücke Si-o-se Pol anzuschauen. Von dort sind wir mit dem Bus zur Jame-Moschee zu fahren. Die Ursprünge des eindrucksvollen Baus gehen auf das 8. Jahrhundert zurück. Heute gehört sie zum Weltkulturerbe. Damit steht sie in Isfahan jedoch nicht allein. Durch den Basar – die Freitagsmoscheen finden sich im Iran immer im Basar, so dass die Menschen sie beim Einkaufen automatisch passieren – sind wir zum Chehel-Sotun-Palast geschlendert, der auch Vierzig-Säulen-Palast genannt wird. Von Shah Abbas I. in Auftrag gegeben, wurde er 1647 unter Schah Abba II. fertiggestellt und beeindruckt vor allem durch das Spiegelmosaik in der Haupthalle, deren Säulen aus Zedernholz gefertigt sind. Verwundert haben wir festgestellt, dass es sich jedoch keineswegs um vierzig, sondern lediglich um zwanzig Säulen handelt. Nicht nur, weil die Säulen sich im Wasser des Brunnens im Garten, der den Palast umgibt, spiegeln, sondern vielmehr weil die „Vierzig“ eine Zahl ist, die Vollkommenheit ausdrückt, hat der Palast im Volksmund seinen Namen. Zum Weltkulturerbe gehört auch der atemberaubend schöne Imam-Platz mit den beiden Moscheen (Lotfullah- und Imam-Moschee) und dem Ali-Qapu-Palast. Das gesamte Ensemble wurde 1602 von Schah Abbas I. angelegt. In den angrenzenden Basar sind wir zu einer kurzen Mittagspause ausgeschwärmt, um am frühen Nachmittag zunächst die Werkstatt eines Miniaturmalers zu besichtigen. Dass der Imam-Platz in safawidischer Zeit auch für Polo-Spiele genutzt wurde, spiegelt sich in vielen der Miniaturen, die mit Pinseln aus Katzenhaar auf Kamelknochen gemalt werden. Nach dem Besuch beim Teppichhändler, wo einige ihren „Perser“ erstanden haben, war der Ali-Qapu-Palast wieder geöffnet. Von der Veranda aus hat man einen guten Blick über den gesamten Platz. Das „Musikzimmer“ des Palastes, dessen Wände durch viele Instrumenten-förmige Gipsnischen ihm eine sehr gute Akustik verleihen, sticht unter den zahlreichen Wandmalereien besonders hervor. Vom Palast ging unser Weg zur gegenüberliegenden Ostseite des Platzes in die Lotfullah-Moschee. Sie war die Privatmoschee der safawidischen Königsfamilien und besitzt deshalb keinen Hof und keine Minarette, weil sie nur von einem beschränkten Personenkreis genutzt wurde. Um die Ausrichtung des Mihrab nach Mekka zu ermöglichen, führt vom Eingangsiwan ein gewinkelter Korridor in den Gebetsraum. Die floralen Fliesenmuster, die das innere und äußere der Moschee schmücken, sind wunderschön. Am Muster der Innenkuppel, die einen ockerfarbigen Grund hat, orientieren sich zahlreiche Teppichmuster. Die Lotfullah hat eine herausragende Akustik, ebenso wie die Imam-Moschee, die an der Südseite des Platzes gelegen ist und auch heute als Freitagsmoschee genutzt wird, weshalb wir unsere Besichtigung auf den Samstagvormittag gelegt haben. Die Farben, vor allem das dominierende blau, sind von einer strahlenden Schönheit. Anders als in den früheren Moscheen wird dieser besondere Eindruck erreicht dadurch, dass es sich um Fliesenmosaike handelt. Die Fliesen wurden also einfarbig gebrannt, was ein abschwächen der Farbintensität durch die Reaktion mit anderen Farben verhinderte. Auch die Kuppel über der Gebetshalle wird von diesem Blau dominiert.

Welch ein Kontrast bot sich uns beim Besuch der Vank-Kathedrale im armenischen Stadtteil Julfa! Seit dem 17 Jahrhundert leben armenische Christen im Iran. Die Kathedrale ist über und über mit Bildtafeln und Fresken versehen, die neben biblischen Szenen auch die Christianisierung Armeniens darstellen. Bei jungen Iranern ist der „armenische Freund“ sprichwörtlich und sehr beliebt. Die Armenier dürfen für ihre eigenen Verwendung Alkohol produzieren… Sie gehören neben den Juden und den Zoroastriern zu den geschützen Minderheiten im Land. So führte unser Weg vom armenischen Viertel (eine Begegnung war hier leider nicht möglich) zum Feuertempel Isfahans, wo wir eine kurze Begegnung mit einem zoroastrischen Priester hatten, die jedoch durch das Eintreffen der nachfolgenden Gruppe, die lautstark den Raum in Besitz nahm, ein jähes Ende fand, bevor sie richtig begonnen hatte…

Auf der Busfahrt nach Qom machten wir Station in Natanz. Der Name der Stadt ist aus den Nachrichten bekannt, eine der Atomanlagen des Landes befindet sich hier. Weit interessanter ist jedoch ein aus sassanidischer Zeit erhaltener Bau-Komplex bestehend aus der Jame-Moschee, dem Mausoleum von Sheikh abd al-Samand und dem Portal des Sufi-Klosters, das sich früher hier befand. An diesem Ort hatten wir auch wieder eine der leckeren Tee-Pausen, die unser Bus-Team, Rachmu und Ali-Reza auf längeren Fahrten für uns bereitet haben.

Qom ist eigentlich ein Ort jenseits der Touristen-Routen. Wenn man mit Iran-Gereisten oder Exil-Iranern in Deutschland spricht, reagieren diese meist mit einer erstaunten Rückfrage, was man denn in der Stadt der Ayatollahs wolle. In der Stadt befinden sich zahlreiche theologische Hochschulen, es ist die wichtigste Ausbildungsstätte für die schiitischen Geistlichen und somit auch das religiöse Zentrum der Revolution. Außerdem Qom ein Wallfahrtsort: Die Grabmoschee von Fatemeh Masumeh, einer Schwester des achten Imam, Imam Reza; der heilige Bezirk darf jedoch nur von Schiiten besucht werden. Wir hatten einen Termin in der University of religions and denominations mit Prof. Mohammad Taghi Ansaripoor. Bereits der Imagefilm, der uns zu Beginn unseres Besuchs gezeigt wurde, sorgte jedoch für Erstaunen. Die Universität versteht sich als ein Ort des interreligiösen Dialogs und der interreligiösen Studien. Es gibt Kontakte zu Juden und Christen, die gepflegt werden. Dabei trafen wir auf bekannte Gesichter: Prof. Klaus von Stosch war schon mehrmals im Iran und auch die ehemalige Dekanin des Studienjahres, Sr. Margaretha, hat bereits einen Gastvortrag in Qom gehalten. Das Gespräch mit Ayatollah Ansaripoor hat uns dann auch entsprechend beeindruckt: Mit einer großen Offenheit sprach er über die Kontakte und die Notwendigkeit des Dialogs, Erläuterte uns die Grundzüge der schiitischen Theologie und beantwortete unsere Fragen. Viele von uns haben Ideen gesponnen, über das weitere Knüpfen von Kontakten nach Qom im universitären oder beruflichen Kontexten.

Die letzte Station unserer Reise erreichten wir am Nachmittag des Sonntags: Teheran, die Metropole mit ihren sieben Millionen Einwohnern. Am Rande der Stadt, 25 km südlich vom Stadtkern, befindet sich am Rande eines großen Friedhofs das Imam-Khomeini-Mausoleum. Die Anlage zeigt den Größenwahn des Regimes und „zementiert“ allein in den Ausmaßen (die Kuppel ist mit 68 Metern die höchste im Iran, Der Sarkophag steht im Zentrum einer Halle von 100 mal 100 Metern) den Anspruch der religiösen Eliten. Teheran hingegen ist eine Stadt zwischen Revolution und Moderne. An keinem anderen Ort im Land wird das Spiel mit den Grenzen so deutlich wie hier, rutscht das Kopftuch der jungen Frauen so weit nach hinten wie hier… Teheran ist laut, bunt und pulsierend, die Innenstadt geprägt von tausenden von Taxis, die den Verkehr im Auto-freien Zentrum dominieren. Unser erster Gang führte uns ins Nationalmuseum. Hier konnten wir Anknüpfen an den Beginn unserer Reise, denn eines der wichtigsten Exponate ist das Audienzrelief des Darius aus dem Schatzhaus in Persepolis. Außerdem haben wir im Museum den Exkursionsplan des Forums für die kommenden Jahrhunderte entdeckt: Auf dem Sockel einer leider kopflosen Statue des Darius sind die Länder, die Teil des persischen Weltreiches waren, in Hieroglyphen angebracht… Vermutlich wird uns die nächste Reise 2018 nach Armenien führen.

Das Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne prägt auch die Architektur der Stadt: Unmittelbar hinter dem Golestan-Palast ragt ein Büro-Gebäude im Sowjet-Stil der 70er Jahre in die Höhe. Aus der Ferne erscheinen die beiden Gebäude wie eine Einheit. Dabei liegt der prächtige Palast inmitten eines wunderschönen Gartens. Er war Teil der Arg-Festung und Regierungssitz der qajarischen Könige. Zuletzt wurde hier 1967 Mohammed Reza Shah gekrönt. Zahlreiche Staatsgeschenke, die im Palast ausgestellt sind, zeugen von den weitreichenden Kontakten der Schah-Dynastie.

Nach einer Mittagspause, die viele nutzten, um in den großen Basar vorzudringen, wurde der Eindruck vom Reichtum und der Status-Demonstration der Qajaren beim Besuch des Juwelenmuseums, das eine der bedeutendsten Juwelensammlungen der Welt präsentiert, weiter vertieft.

Unser letzter Programmpunkt holte uns zurück in das Teheran der Gegenwart und führte uns in die deutschsprachige evangelische Gemeinde, wo wir von Ingo Koll und Almut Birkenstock-Koll, dem Pfarrer-Ehepaar, zunächst etwas über ihre Arbeit erfahren haben, bevor wir bei einer Tasse „echtem“ Kaffee und heimatlichem Gebäck mit ihnen ins Gespräch kommen konnten. Zur Gemeinde, die zurzeit, wo es kaum wirtschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und dem Iran gibt, recht klein ist, gehören neben den Mitarbeitern der Botschaft vor allem Frauen, die mit einem Iraner verheiratet und diesem in seine Heimat gefolgt sind. Die Kolls werden den Iran 2016 verlassen, ihre Stelle ist also zu haben...

Mit einem Gottesdienst, der vor allem vom Dank für diese wunderbare Reise geprägt war, endete unsere Reise. Dankbar sind wir nicht zuletzt Biblische Reisen und vor allem Georg für die kompetente und gewohnt passende Reisebegleitung, aber auch Amir, unserem iranischen Guide, für den unsere Gruppe wohl eine große Herausforderung war, der sich aber sehr weit auf uns eingelassen hat und sicher auch von uns Einiges mitgenommen hat… Den Abend ließen wir mit einem Abendessen im Hotel ausklingen.

Sicher kann man nicht all unsere Erfahrungen und Eindrücke in einem Satz zusammenfassen und sicher sind die Wahrnehmungen der Erlebnisse und des Landes auch unterschiedlich. Eines aber verbindet uns alle: Die Erkenntnis, dass der Iran anders ist, anders, als es uns das Medienbild in Deutschland vermittelt hat, anders als die sunnitisch-geprägten Länder, die wir kennen, anders als wir es erwartet hätten. Viele Menschen, denen wir begegnet sind, haben uns ermuntert, zu erzählen, unsere positiven Eindrücke weiterzugeben, ihrem Land ein besseres Image zu verschaffen. Das tun wir alle gern, wo immer ihr uns trefft…